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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






02.10.2017 

Elmshorn ist Fairtrade Town – ein Meilenstein für eine bessere Welt

Würde auf der Welt so viel geteilt, wie auf Facebook, es gäbe keine Armut mehr. Bei Facebook vertreten ist die Stadt Elmshorn zwar nicht. Teilen kann sie dennoch: Im Kampf gegen die Armut. Seit dem 27. September 2017 ist Elmshorn die 503. Fairtrade Town Deutschlands. Damit verpflichtet sie sich, aktiv einen Beitrag zum fairen Handel zu leisten. Ein Meilenstein, der Anlass für eine Verleihfeier im Rathaus war.

Die Welt ein bisschen besser machen, das klingt nach einer Mammutaufgabe. Dass bereits kleine Alltagsentscheidungen einen großen Unterschied machen können beweist der faire Handel. Ihn aktiv zu unterstützen hat sich die Stadt Elmshorn 2014 auf die Fahnen geschrieben. Damals beantragten die Grünen, sich für den Titel Fairtrade Town zu bewerben. Ein Vorstoß, der fraktionsübergreifend und einstimmig angenommen wurde. Keine Selbstverständlichkeit, wie Albert Röhl vom Weltladen TOP 21 und Sprecher der Steuerungsgruppe Fairtrade Town Elmshorn am Abend der Verleihfeier betonte. Rund 40 Gäste kamen in den Kollegiumssaal, um die Verleihung des Titels zu feiern.

Verleihfeier am 27. September 2017: Elmshorn ist die 503. Fairtrade Town Deutschlands.

Verleihfeier am 27. September 2017: Elmshorn ist die 503. Fairtrade Town Deutschlands.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

Fünf Kriterien galt es zu erfüllen – wobei der Beschluss des Kollegiums das erste Kriterium darstellte. Eine Steuerungsgruppe musste gegründet, eine Mindestzahl an fairen Produkten in Elmshorner Geschäften und Gastronomiebetrieben erhältlich sein und von Schulen, Vereinen und Kirchen genutzt werden. Außerdem müssen lokale Medien dem Thema ihre Aufmerksamkeit schenken. 2014 begann die Reise, 2017 sind alle Kriterien erfüllt. „Heute ist ein guter, ein besonderer Tag für Elmshorn“, zeigte sich Bürgermeister Volker Hatje in seiner Ansprache erfreut.

Hatje lobte Albert als „Motor, der das Thema seit Mitte der 1990er Jahre vorangetrieben hat“. Es sei ein langer Prozess gewesen, sagte der Bürgermeister, „Anfangs dachte ich beim Thema fairer Handel nur an Kaffeebohnen. Aber das ist zu kurz gesprungen. Das Thema betrifft alle Lebensbereiche. Es geht um die Einstellung: Wie nachhaltig wollen wir sein?“. Trotz schrecklicher Bilder einstürzender Fabriken brauche es einen Ruck, um in seinem Handeln konsequent zu sein. Diesen Ruck habe es nun gegeben – die Stadt Elmshorn ist offiziell Fairtrade Town.

Für Albert Röhl ein Meilenstein. Aber noch lange nicht das Ziel. „800 Millionen Menschen hungern weltweit. Damit sollte man sich nicht abgeben“, sagte er. Fairer Handel bedeute Hilfe zur Selbsthilfe. „Mit Konsumentscheidungen können wir aktiv handeln und unseren Beitrag leisten“, so Röhl. Entscheidungen, die immer häufiger auch von Schülern getroffen werden. Nicht nur an der Erich Kästner Gemeinschaftsschule, auch an der Bismarckschule und der Elsa-Brändström-Schule gebe es inzwischen Fairtrade-AGs und Produkte aus dem fairen Handel.

Manfred Holz von TransFair

Manfred Holz von TransFair
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

Manfred Holz von der Fairtrade-Organisation TransFair lobte das Elmshorner Engagement in seiner Laudatio. Zugleich fand er mahnende Worte: „Solidarität muss wieder ein moderner Begriff werden. Es geht nicht um eine Globalisierung der Gleichgültigkeit“, so Holz. „Wenn auf der Welt so viel geteilt würde, wie auf Facebook, gäbe es keine Armut“, mahnte er. Den Titel Fairtrade Town gebe es „nicht geschenkt und nicht für lau“, daher werde er auch nur für zwei Jahre verliehen. Dann würde erneut geprüft, ob alle Kriterien erfüllt sind – ist das der Fall, bleibt Elmshorn Fairtrade Town.

Für Bürgermeister Volker Hatje hatte Holz auch eine Zusatzaufgabe im Gepäck: Lag der Umsatz des fairen Handels 2016 noch bei 1,2 Milliarden Euro, so soll der Betrag noch dieses Jahr gesteigert werden. „Herr Bürgermeister, da zähle ich auf Sie“, sagte Holz.

 

Autor/Autorin: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn