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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






26.09.2017 

„Abstand halten!“: Stadt Elmshorn will Sicherheit der Radfahrer stärken

Einen Fahrradfahrer mit dem Auto überholen? Eine alltägliche Situation – die gefährlicher ist, als angenommen wird. Jedenfalls, wenn Radler zu knapp überholt werden. In seinem Urteil legte das Oberlandesgericht Hamm 1,5 Meter als angemessenen Mindestabstand fest. Die Stadt Elmshorn weist mit neuen Schildern darauf hin.
Alexander Schuhmann (Flächenmanagement) montiert das erste der neuen Schilder.

Alexander Schuhmann (Flächenmanagement) montiert das erste der neuen Schilder.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

1,5 Meter Abstand – „das bedeutet, dass ein Auto zum Überholen eines Fahrrads in jedem Fall auf die Gegenfahrbahn wechseln muss“, erläutert die Verkehrsplanerin Ellen Unger. Der Abstand sei berechtigt, denn „Fahrradfahrer haben keinen Rückspiegel“, so Unger. Schon ein knapper Überholvorgang könne Fahrradfahrer daher so sehr erschrecken, dass sie stürzen. Genau das soll mit den sechs neuen Schildern verhindert werden.

Das Projekt wurde angestoßen, da Fahrradfahrer immer häufiger auch die Straße nutzen – und das mit Recht, nicht nur in Fahrradstraßen oder auf Schutzstreifen: Kaum ein Radweg in Elmshorn ist benutzungspflichtig, zahlreiche Straßen verfügen über keinen Radweg.

Aufgehängt wurden die sechs Schilder nun in drei besonders konfliktträchtigen Straßen. Die ersten beiden an der Daimlerstraße. „In diesem Gewerbegebiet gibt es viele Radfahrer, jedoch keine Radwege“, erläutert Unger. Das Gebiet ist Ziel der „Eselsbrücke“, die mehr Pendler vom Bahnhof ins Gewerbegebiet bringen soll – der Anteil des Radverkehrs könnte hier demnach schon bald weiter steigen.

Auch in der engen Geschwister-Scholl-Straße komme es immer wieder zu knappen Überholvorgängen. Wie auch in der Besenbeker Straße: „Hier handelt es sich um eine typische Wohnstraße, in der auch geparkt wird“, sagt Unger, „da entstehen viele Engpässe“. Im Zweifel müsse ein Autofahrer dann so lange hinter einem Fahrrad bleiben, bis ausreichend Platz zur Verfügung steht. Unger appelliert: „Die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr ist nicht nur vorgeschrieben. Sie hilft auch, Unfälle zu vermeiden. Denn die möchten weder Radfahrer noch Autofahrer erleben.“ Übrigens: Kommt es zum Sturz, weil ein Radfahrer zu knapp überholt wurde, trägt der Autofahrer die Schuld.

Die Schilderwurden unter anderem in Rostock erprobt. Ein offizielles Verkehrszeichen sind sie nicht – zumindest in Deutschland. „In Frankreich gibt es ähnliche Schilder seit Jahren“, sagt Unger. In Elmshorn werden sie nun an wechselnden Orten aufgehängt. Dabei würden auch Hinweise von Bürgern berücksichtigt.

Den Anstoß zur Schilderkampagne gab die AG Radverkehr, die für sicherheitsrelevante Themen sensibilisieren will. In den vergangenen zwei Jahren wurden so etwa die temporären Graffiti aufgebracht, die Geisterradler auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen sollen. „In diesem Jahr wollten wir etwas anderes beginnen“, so Unger.

 

Autor/Autorin: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn