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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






09.02.2018 

Elmshorner Industriemuseum zeigt Historisches im neuen Licht

Mit der Neugestaltung des dritten Obergeschosses hat das Museum an der Catharinenstraße den letzten Bauabschnitt geschafft: Alle drei Etagen des Hauses wurden umfassend modernisiert. Im dritten Stock erwarten die Besucher nun die kaiserzeitliche Schule und eine Ausstellung zur Zeit des Nationalsozialismus in Elmshorn, in der insbesondere der Alltag von Kindern und Jugendlichen thematisiert wird.
Propaganda im Kinderzimmer: Mit Elastolin-Figuren zog die NS-Welt ins Kinderspiel ein.

Propaganda im Kinderzimmer: Mit Elastolin-Figuren zog die NS-Welt ins Kinderspiel ein.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

Der Rohrstock steht parat, Schiefertafel und Griffel liegen auf den akkurat ausgerichteten Schulbänken, die Tafel ist vorbereitet: Wenn der Unterricht im 3. Geschoss des Industriemuseums beginnt, dann nach Regeln der Kaiserzeit. „Für unsere Besucher ist die Schule das absolute Highlight“, sagt Museumsleiterin Bärbel Böhnke. Gruppen und Einzelbesucher würden die Erfahrung regelrecht genießen, wenn sie mit Matrosenkragen oder Haarschleife den Schulalltag von 1910 erleben. Endlich wieder können die Museumspädagogen hier unterrichten.

Direkt neben der Schule befindet sich die Ausstellung zur Zeit des Nationalsozialismus in Elmshorn. Ihr Schwerpunkt schließt sich nahtlos an die Schulzeit an: Es geht um Kinder und Jugendliche. Thema sei „von klein auf an zu Gehorsam, Krieg und Kampf erzogen“, erklärt Böhnke. Das Museum zeigt, wie die Nazi-Propaganda Einzug in die Welt der Kinder gehalten hat, vom Detektorradio über das Mutterkreuz bis hin zu Elastolin-Spielfiguren, Leselern-Fibeln und Spielzeugen. „Wir erzählen auch die Geschichten hinter den Objekten, die größtenteils aus Elmshorn stammen. Damit ist unsere Ausstellung ganz nah dran und erlaubt einen anderen Zugang zur Geschichte“, sagt Böhnke. Besonders eindrucksvoll findet sie daher auch einen abgenutzten Teddybären, der aus einer Elmshorner Flüchtlingsbaracke stammt. Ihm gegenüber steht die Silhouette der ausgebombten Mädchenschule Propstenfeld – ein raffiniertes Möbel, in dem Vitrinen und Schubladen Ausstellungsstücken Platz bieten. Von Kindern gefundene Bombensplitter, eine selbstgestrickte Luftschutzmütze, Lebensmittelkarten, eine Volkssturm-Armbinde und eine Gasmaske zeigen die Schrecken des zweiten Weltkrieges. Videobeiträge mit Zeitzeugen-Interviews und einem Film über die Verleihung der NS-Auszeichnung „Goldene Fahne für soziales Engagement“ an die Elmshorner Margarinefirma Wagner sind die letzte Station vor der nachgebauten Flüchtlingsbaracke. Unter all den Exponaten befinden sich auch zahlreiche Stücke, die bislang nicht in der Ausstellung vertreten waren.

„Mit dem neu gestalteten dritten Obergeschoss bieten wir unseren Besuchern endlich einen chronologisch sinnvollen Rundgang durchs Haus“, freut sich Bärbel Böhnke. Erste Gruppen hätten bereits die Schulbank gedrückt, „das Feedback war durchweg positiv“, sagt die Museumsleiterin. 30.000 Euro hat die Modernisierung des 3. Obergeschosses gekostet, den Großteil hat die Sparkasse Elmshorn sowie der Förderverein des Industriemuseums übernommen.

Das Elmshorner Industriemuseum hat dienstags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen auf www.industriemuseum-elmshorn.de

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Auch die Flüchtlingsbaracke wurde in der 3. Etage wieder integriert.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn
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Alles vorbereitet: In der kaiserzeitlichen Schule kann der Unterricht beginnen.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn
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Historische Schrift auf der Tafel: Für viele ist sie heute kaum noch zu entziffern.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn


 

Autor/Autorin: Herr M.Planer, Stadt Elmshorn