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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






14.11.2019 

Fachtag „Sucht kennt keine Grenzen“ stieß auf großes Interesse

Mehr als 60 haupt- und ehrenamtlich Engagierte in der Integrationsarbeit informierten sich am Samstag bei der Veranstaltung „Sucht kennt keine Grenzen“ zu kultursensiblen Präventions- und Therapiekonzepten im Haus der Be-gegnung. Eingeladen hatte das Netzwerk KIESEL – Kooperation interkulturelle Sozial- und Bildungsarbeit Elmshorn in Zusammenarbeit mit den Suchtbera-tungsstellen vor Ort.
Impulsvortrag von Dr. Ali Kaya, Fachklinik Rickling
Foto: Frau Redecker, Stadt Elmshorn 

„In zehn bis zwanzig Jahren wird jeder zweite Ratsuchende in der Suchthilfe einen Migrationshintergrund haben“ macht Dr. Ali Kaya, Referent der interkulturellen Psychiatrie der Psychiatrischen Klinik in Rickling, gleich zu Beginn seines Fachvortrages deutlich. Wie aber kann suchterkrankten Menschen mit Zuwanderungsgeschichte kultursensibel geholfen werden? Welche speziellen Präventions- und Therapieansätze gibt es bereits? Was muss neu entwickelt werden?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich das Netzwerk KIESEL – Kooperation interkulturelle Sozial- und Bildungsarbeit Elmshorn, ein Zusammenschluss von dreizehn Einrichtungen einschließlich des Amtes für Soziales der Stadt Elmshorn, bereits 2018. Zusammen mit den Beratungsstellen für Alkohol-, Drogen- und Glücksspielsucht vor Ort konzipierte KIESEL den Fachtag „Sucht kennt keine Grenzen“, der am Samstag im Haus der Begegnung stattfand.

Dr. Ali Kaya, Hauptreferent der Veranstaltung, präsentierte zunächst die „Emotionslogik eines Migrationsprozesses“, die bei allen Menschen mit eigner Migrationserfahrung ähnlich verläuft. Anhand des Prozesses verdeutlichte der Referent die migrations- und fluchtspezifischen Risikofaktoren, die durch die lebensverändernden Ereignisse zu einer Suchterkrankung führen können. Dr. Kaya, der selbst türkische Wurzeln hat und mit Fachlichkeit und einer humorvollen Vortragsweise das Fachpublikum begeisterte, verdeutlichte auch die kulturspezifischen Risikofaktoren. So hat beispielsweise der Konsum von Opium in Ländern wie Afghanistan, Jemen oder Marokko eine gewisse Tradition. Der Konsum von Alkohol hingegen ist in vielen Kulturen eine Sünde. Abschließend stellte Dr. Kaya das bisher einzigartige interkulturelle Therapiekonzept der Klinik Rickling vor.

Mit „HERKUNFT – ANKUNFT – ZUKUNFT“ wurde zudem von der Fachstelle „SUCHT.HAMBURG“ ein erfolgreiches und niedrigschwelliges Projekt zur kultursensiblen Suchtprävention vorgestellt. „Bei dem Projekt geben sogenannte Keypersons, also Schlüsselpersonen, in ihrer eigenen Muttersprache Informationen zum Suchthilfesystem in Hamburg“ erklärte Kaja Nygaard-Koczorowska, selbst Keyperson für die polnische Community. Ob in Kulturvereinen, Stadtteilzentren oder in privaten Räumlichkeiten – Ziel der Veranstaltung ist die kultursensible Aufklärung und die Enttabuisierung des Drogenthemas unter den Migrantinnen und Migranten.

In anschließenden Workshops am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit die für Elmshorn zuständigen Beratungsstellen für Alkohol-, Drogen- und Glücksspielsucht kennenzulernen und in den Austausch zu kommen.

„Der Fachtag verdeutlichte, dass Sucht keine Ländergrenzen kennt und es für die Präventionsarbeit und Versorgung suchterkrankter Menschen mit Migrationshinter-grund weiterhin Entwicklungspotenzial gibt – auch in Hinblick auf die finanzielle Ausstattung“ erklärt Larissa Redecker, Integrationskoordinatorin und Mitglied der Arbeitsgruppe KIESEL.

 

Autor/Autorin: Frau Redecker, Stadt Elmshorn