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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






13.03.2018 

Tag der Archive: Wenn Dokumente zum Leben erwachen

Erstmals hat das Stadtarchiv Elmshorn sich am bundesweiten „Tag der Archive“ beteiligt. Rund 50 Besucher informierten sich im Weißen Haus über die Arbeit des Archivs und drei ausgewählte historische Themen, die in Vorträgen beleuchtet wurden. Unter der Überschrift „Demokratie und Bürgerrechte“ zeigte das Stadtarchiv, wieso es ein Fels in der Brandung ist.

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Der ehrenamtliche Archivmitarbeiter Jürgen Wohlenberg hatte sich Großes vorgenommen: „Wir wollen zeigen, wie Archivalien lebendig werden“, sagte er, auf mehrere Stapel mit Akten, Dokumenten und Ordnern deutend. Mit ihnen gestaltete Wohlenberg drei Vorträge. Und schon seine Themenauswahl zeigte die Brisanz der hier verwahrten Dokumente. Da ging es um den Rathauskrieg. Um die Selbstbefreiung Elmshorns von der NS-Herrschaft 1945. Um den Arbeiter- und Soldatenrat, der als revolutionäres Mittel vor 100 Jahren gegründet wurde.

Themen, die wichtige Zeugnisse der Elmshorner Geschichte sind, die aber eben auch jahrelang Teil der Lebenswirklichkeit der Menschen waren. Und so entdeckte Wohlenberg, dass es die vom Arbeiter- und Soldatenrat angestrebte Revolution so nur in Deutschland geben konnte: „Aus einem alten Protokoll des Magistrats geht hervor, dass es offenbar ein ganz geregeltes Miteinander gab.“ Dramatischer war der „Krieg“, der sich 1957 bis 1959 im Elmshorner Rathaus abspielte. „Hierzu haben wir kaum Akten, aber viele Presseberichte“, erklärt der Ehrenamtler. Kein Wunder: Bürgermeister Walter Ulbrich und Stadtrat Walter König stritten über zwei Jahre lang öffentlich und derart intensiv, dass vom „Stillstand für die Stadt“ gesprochen wurde. Die Selbstbefreiung Elmshorns im Jahre 1945 machte Wohlenberg unter anderem anhand von Tagebucheinträgen, Personalakten und Anzeigen ehemaliger Zwangsarbeiter erlebbar.

Die brisanten Themen unterstrichen, dass Archive als Fels in der Brandung gelten. Ralf Jacob, Vorsitzender des Archivverbandes, der zum Tag der Archive aufrief, verdeutlichte in seinem Rundschreiben: „Archive dokumentierten das Geschehene, sind eine zuverlässige Informationsquelle und tragen somit direkt zum Schutz von Demokratie und Bürgerrechten bei.“ Bundesweit sind mehrere hundert Archive seinem Aufruf gefolgt.

„Die Resonanz in unserem Archiv war durchweg positiv“, sagt Archivleiter Peter Köhnke. Rund 50 Besucher ließen sich das Archiv zeigen und in Wohlenbergs Vorträgen einen Einblick in die Vergangenheit geben. Besonders erfreut Köhnke eines: „Unter den Besuchern waren auch Schüler und Menschen, die mit Ahnenforschung beginnen wollen“ – die sind im Stadtarchiv natürlich ebenfalls an der richtigen Adresse. Beliebt sei der Blick ins Foto- und Zeitungsarchiv gewesen, genauso wie der rege Austausch zu archivbezogenen Themen. Für Köhnke steht schon jetzt fest: „Wir werden uns auch in zwei Jahren wieder beteiligen.“

 

Autor/Autorin: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn