Hilfsnavigation

Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






22.01.2020 

Elmshorns Schülerinnen und Schüler treten gegen das Vergessen ein

Vor 75 Jahren befreiten die Alliierten die noch lebenden Insassen des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Anlässlich des 1996 eingeführten Gedenktags bringen am Mittwoch, 29. Januar, 90 Schülerinnen und Schüler aus ganz Elmshorn Theater, Musik und szenischen Darstellungen auf die Bühne der Waldorfschule. Noch gibt es Karten für die kostenlose und öffentliche Abendveranstaltung, die um 19 Uhr beginnt.
Die Lehrerinnen Wiebke Hildebrandt (l.) und Margrit Bergmann laden zusammen mit ihren Schüler*innen, der Stadt und der AG Stolpersteine für Elmshorn zu der Veranstaltung am 29. Januar ein.

Die Lehrerinnen Wiebke Hildebrandt (l.) und Margrit Bergmann laden zusammen mit ihren Schüler*innen, der Stadt und der AG Stolpersteine für Elmshorn zu der Veranstaltung am 29. Januar ein.
Foto: Herr Hinz, Stadt Elmshorn

„Es ist sehr beeindruckend, was uns erwartet“, sagt Anna Haentjens. Sie hat die künstlerische Leitung der Veranstaltung zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ übernommen, bei der am Mittwoch, 29. Januar, um 19 Uhr 90 Schülerinnen und Schüler von sieben Elmshorner Schulen auftreten. Das Motto im Saalbau der Freien Waldorfschule lautet „Wir … und Widerstand“.

"Moorsoldaten"-Lied verursacht Gänsehaut

Haentjens hat bisher vier Schulen besucht und sich ihre jeweiligen Beiträge angesehen beziehungsweise angehört. Zum Beispiel das Lied „Die Moorsoldaten“, das 1933 im Konzentrationslager Börgermoor entstanden ist und nun von Oberstufen-Schülerinnen und -Schülern der Elsa-Brändström-Schule vertont wird. „In einer Form, dass man eine Gänsehaut bekommt“, so Anna Haentjens.

Programm-Flyer zur Gedenkveranstaltung [PDF: 2,1 MB]

Bereits morgens findet eine erste Aufführung statt, die aber ausschließlich Schülerinnen und Schülern vorbehalten ist. Die Abendveranstaltung um 19 Uhr hingegen ist öffentlich und kostenlos. Im Vorfeld sind die Karten bei der Theaterkasse des Stadttheaters Elmshorn, Königstraße 56, bei Konzert & Event, Kirchenstraße 8, und bei „engagiert in Elmshorn“, Alter Markt 11, erhältlich. „Noch sind welche vorhanden“, sagt Frank Ramson, der die Gedenkveranstaltung von Seiten der Stadt Elmshorn begleitet.

Auch der Erste Stadtrat ist tief ergriffen

Dass sich ein Besuch lohnt, weiß Elmshorns Erster Stadtrat Dirk Moritz aus eigener Erfahrung: „Wer einmal an der Veranstaltung teilgenommen hat, der wird das nicht wieder vergessen“, sagt er. Für ihn sei es in diesem Jahr bereits die sechste Teilnahme und jedes Mal sei er tief berührt.

Lehrerin Wiebke Hildebrandt von der Bismarckschule bestätigt dieses Gefühl. „Die Beiträge sind sehr bewegend“, unterstreicht sie. Und das nicht nur für das Publikum, sondern auch für die jungen Akteurinnen und Akteure auf der Bühne. Das sei unter anderem daran abzulesen, dass ihre Schützlinge des vergangenen Jahres unbedingt am Mittwoch wieder dabei sein wollen – wenn schon nicht auf der Bühne, dann wenigstens im Publikum.

Theaterstück deckt Geheimnis der "Heil"-Anstalt auf

In diesem Jahr haben sich Hildebrandts Elftklässlerinnen und Elftklässler das schwierige Thema Euthanasie vorgenommen, also unter anderem die Ermordung von Menschen mit Behinderung durch Vergiftung, Mangelernährung oder menschenunwürdige Experimente. „Wir haben uns vorher im Unterricht damit auseinandergesetzt“, sagt Schülerin Victoria Jürgens. „Wir wollen deutlich machen, was Euthanasie ist und bedeutet.“

Dazu haben sie ein Theaterstück entwickelt, das zu Beginn der 1940er-Jahre spielt und in dessen Zentrum die 13-jährige Anna Lossa steht. Sie gilt als „nicht erziehbar“ und „asozial“, landet deswegen am Ende in einer NS-Nervenheilanstalt. Dort kommt sie dem dunklen Geheimnis der „Heil“-Anstalt auf die Spur.

Prävention gegen dumpfe Parolen

Rita Schliemann, Leiterin des Amtes für Kultur und Denkmalpflege, begrüßt die intensive Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit den Gräueln der NS-Diktatur. „Es geht uns nicht nur um das Erinnern“, sagt sie. Es gehe auch um Prävention. „Ich glaube, alle Beteiligten sind nicht mehr gefährdet, irgendwelchen Parolen hinterherzulaufen“, so Schliemann.

Dieses Ziel verfolgt auch Stadtrat Moritz: „In Zeiten, in denen Antisemitismus und Hetze wieder zunehmen, ist es gut, dass eine Stadt und ihre Schülerinnen und Schüler sich so stark für das Gedenken engagieren.“

Kerzen an der ehemaligen Synagoge

Am Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz selbst, dem 27. Januar, plant die Stadt ebenfalls eine kleine Mahnaktion. „Anlässlich des 75. Jahrestages werden wir Kerzen an der ehemaligen Synagoge im Flamweg aufstellen“, sagt Moritz. Auf Reden oder weiteres Programm werde dabei bewusst verzichtet. „Wir wollen nur in stillem Gedenken zum Nachdenken anregen“, so der Erste Stadtrat.

 

Autor/Autorin: Herr Hinz, Stadt Elmshorn