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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






09.06.2018 

Vor dem Abriss: Artenschutz-Gutachter überprüft Kremer-Hallen

Vor dem Abriss der leerstehenden Kremer-Hallen an der Schauenburger Straße muss die Stadt Elmshorn zahlreiche Gutachten erstellen lassen. Dabei spielt nicht nur die Überprüfung auf Altlasten oder Asbest eine Rolle, sondern auch der Artenschutz. Mit speziellen Detektoren hat ein Experte in dem Gebäude nach besonders geschützten Vögeln und Fledermäusen Ausschau gehalten.
Björn Russow suchte in den Kremer-Hallen nach geschützten Arten.

Björn Russow suchte in den Kremer-Hallen nach geschützten Arten.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

Von Tauben, Amseln, Schleiereulen, Hausrotschwänzen oder Haussperlingen bis hin zu Zwergfledermäusen: Zählen besonders geschützte Tiere zu den Bewohnern eines Abrisshauses, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Bevor die ehemaligen Hallen des Baustoffhandels Kremer an der Schauenburger Straße abgerissen werden können, zog die Stadt Elmshorn daher einen Sachverständigen für terrestrische Ökologie zu Rate. Mit Fledermausdetektor, Fernglas und Taschenlampe machte er sich in den Hallen auf die Suche nach den Tieren.

„Federreste, Kot, tote Tiere und Nester sind Hinweise auf das Vorhandensein von verschiedensten Vögeln“, erklärt Björn Russow. Der Diplom-Ingenieur arbeitet für das Institut für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) und wird regelmäßig mit der Erstellung von Artenschutzgutachten beauftragt. Zwar kommen die Kremer-Hallen aufgrund ihrer Konstruktion und der vorhandenen Einfluglöcher durchaus als Behausung für geschützte Arten in Betracht. Jedoch zeigte die Inspektion, dass nur der Hausrotschwanz an der Fassade brütet und Tauben durch die Hallen fliegen. „Da die Gebäude nach Ende der Brutsaison abgerissen werden, ist das unproblematisch“, sagt Russow.

Auch der Fledermausdetektor, der die für Menschen sonst unhörbare Kommunikation der Tiere aufzeichnet, schlug nicht an. „Hätten Fledermäuse in dem Gebäude gewohnt, hätten gewisse Abschnitte des Abrisses von Hand durchgeführt werden müssen, um eine Verletzung der Tiere auszuschließen und sie sicher in ein neues Zuhause umzusetzen“, erläutert Russow, „die Tiere ziehen während eines Sommers ohnehin mehrfach um, das machen sie mit.“

„Als Stadtverwaltung nehmen wir den Artenschutz sehr ernst“, sagt Jule Bade vom städtischen Gebäudemanagement, die den Experten begleitete. Nur mit einem rechtzeitig eingeholten Gutachten könne flexibel auf eventuell vorhandene geschützte Arten reagiert und ein Abriss entsprechend der Bedürfnisse der Tiere gestaltet werden. Dazu gehört unter anderem eine ökologische Baubegleitung, die während des Abrisses rechtzeitig adäquate Maßnahmen einleitet, um den Artenschutz zu gewährleisten. „Die Untersuchung zeigte, dass wir zumindest bei einem Abriss außerhalb der Brutsaison keine begleitenden Maßnahmen ergreifen müssen“, erklärt Bade.

Mit dem Gutachten ist der Abriss der Kremer-Hallen einen Schritt nähergekommen. Als nächstes werden mögliche Baustellenzufahrten- und einrichtungen geklärt, im Anschluss erfolgt die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen für die Abrissfirmen.

 

Autor/Autorin: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn