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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 






13.01.2018 

Zukunft der Markthalle: Eine Entscheidung im Herzen der Stadt

Dieser Ansturm war ein deutliches Zeichen: 100 Menschen folgten der Einladung, die Elmshorner Markthalle zu besichtigen und sich im Anschluss über die künftige Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudes auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Neben zahlreichen Vorschlägen gab es immer wieder auch einen Konsens. Noch 2018 soll feststehen, was mit dem Haus geschehen soll. Die Sanierung könnte bereits 2019 beginnen.
In vier Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge zur künfitgen Nutzung.

In vier Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge zur künfitgen Nutzung.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

„Wie stellen Sie sich Ihre Markthalle im Jahr 2030 vor?“ – mit dieser zentralen Frage sollten die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt Markthalle ihre Visionen für das historische Gebäude entwickeln. Hatten noch 100 Interessierte das Gebäude besichtigt, so fanden sich noch rund 60 Menschen zum zweiten Teil der Veranstaltung im Kollegiumssaal ein, in dem Statiker und Architekten zunächst die Grenzen und Möglichkeiten des Gebäudes ausloteten.

Eine klare Absage gab es für den Wunsch, ein Carillon – ein Glockenspiel – in dem Gebäude unterzubringen. Der Statiker Uwe Guttenberg hatte die Glocken maßstabsgetreu in einem Plan des Hauses eingezeichnet – und stellte so gleich mehrere Probleme fest. Nicht nur müsste eine Etage im Dachgeschoss zurückgebaut werden, um den benötigten Platz zu schaffen. Das Glockenspiel wäre auch zu schwer für die Statik des Hauses. Und: „Ein Carillon würde durch den verursachten Schall praktisch jede andere Nutzung des Gebäudes ausschließen“, folgerte er. Auch eine Unterbringung in einem Anbau sei aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich, hieß es, da Anbauten nicht vorgesehen seien. Eine Aussage, die an diesem Abend mehrfach von den Bürgern kritisiert wurde.

Abseits davon stellte Lutz Michel vom Architekturbüro CRReumschüssel fest, dass sich das Gebäude zwar in einem „stark sanierungsbedürftigen, aber erhaltenswürdigen Gesamtzustand“ befinde. Es zu erhalten ist erklärtes Ziel der Stadt Elmshorn. Denn: „Unsere Markthalle ist etwas Besonderes. Sie ist ein wesentliches Gebäude im Stadtumbau“, sagte Stadtrat Dirk Moritz. Das zeigte sich auch in der Diskussion: Lebhaft und engagiert überlegten die Teilnehmer in vier Gruppen, wie die Markthalle 2030 genutzt werden könnte. Laut Bürgermeister Volker Hatje eine wichtige Chance: „Ein solches Gebäude zu erhalten hat etwas mit dem Herzen der Stadt zu tun. Historische Gebäude abreißen und die Fläche neu bebauen, das kann jeder. Aber genau das wollen wir nicht.“

Eines wurde bei der Zukunftswerkstatt schnell klar: Das Erdgeschoss soll weiterhin als Marktfläche genutzt werden. Die einzelnen Gruppen sprachen sich unter anderem für die Schaffung von Veranstaltungsflächen, Seminar- und Büroräumen für Firmen und Start-Ups in den Obergeschossen aus. Auch der Wunsch nach einem Erhalt der Flächen der Speeldeel, Wohnraum und einer vergrößerten Gastronomie wurde geäußert. Einigkeit bestand auch darin, dass die künftige Nutzung der Markthalle mit der Nutzung des Rathauses und der Knechtschen Hallen in Einklang stehen soll.

Bereits am 18. Januar sollen der Ausschuss für Stadtentwicklung sowie der Ausschuss für Kommunale Dienstleister einen Grundsatzbeschluss für die Zukunft der Markthalle beschließen. Dabei berücksichtigt werden die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt. Die Politiker müssen entscheiden, in welchen Geschossen die Markthalle privat (Anmietung etwa durch Büros) oder öffentlich (sozial, kulturell oder durch öffentliche Verwaltungen) genutzt werden soll – dies hat Einfluss auf die Fördermittel. Nach dem Entschluss werden bis zu drei Nutzungsvarianten ausgearbeitet und auf Wirtschaftlichkeit sowie Fördermöglichkeiten hin überprüft. Noch in diesem Jahr soll eine abschließende politische Beratung stattfinden, sodass noch 2019 der Baustart erfolgen könnte.

Dirk Moritz zeigte sich zufrieden mit der großen Resonanz. „Ich habe heute zwei Punkte mitgenommen. Erstens: Die Markthalle bleibt. Zweitens: Mit dem Denkmalschutz ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, sagte er abschließend.

 

Autor/Autorin: Herr M.Planer, Stadt Elmshorn

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