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Elmshorn
Foto: Reimer Wulf 



04.06.2018 

Ehrenamtlich Richter: Wie Schöffen Demokratie leben

Es geht um Betrug, um Missbrauch, um Körperverletzungen: Wenn Lutz Schütte am Richtertisch Platz nimmt, geht es oft um eine mögliche Freiheitsstrafe. Als Jugendschöffe engagiert sich der Elmshorner freiwillig in der Rechtsprechung. Gemeinsam mit Richtern und anderen Schöffen versucht Schütte, mit erzieherischen Auflagen den Tätern einen Weg aus der Kriminalität aufzuzeigen. Denn nicht immer ist eine Freiheitsstrafe Mittel der Wahl. Für den 57-Jährigen ist sein Amt gelebte Demokratie. Umso wichtiger sei es, ausreichend Kandidaten für die nächste Amtszeit zu finden. Doch aktuell fehlen 28 Freiwillige.
Lutz Schütte engagiert sich als Jugendschöffe am Amtsgericht Elmshorn.

Lutz Schütte engagiert sich als Jugendschöffe am Amtsgericht Elmshorn.
Foto: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn

Der Weg zur Wahrheit kann steinig sein. Lutz Schütte beschreitet ihn immer wieder. „Auch, wenn ein Mensch vor Gericht steht, muss er nicht per se schuldig sein“, betont der Elmshorner. Seit 2014 engagiert er sich als Jugendschöffe am Amtsgericht. Das bedeutet: Regelmäßig wird er zu Verfahren herangezogen, in denen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe droht. Maximal alle sechs Wochen wird der städtische Mitarbeiter für diese Verhandlungen von der Arbeit freigestellt.

Eine umfassende Vorbereitung gibt es nicht. „Man muss weder Jura studiert haben noch das Strafgesetzbuch auswendig können“, sagt Schütte. Auch die Akten des Verfahrens müsse er vor dem Prozesstag nicht durcharbeiten. Dafür stehen den Schöffen die erfahrenen Richter zur Seite. „Kurz vor Prozessbeginn erhalten wir eine kurze Zusammenfassung des Verfahrens“, erzählt Schütte. „Wachen Geistes“ müsse er dann die Verlesung der Anklageschrift, die Einlassung der Angeklagten, die Aussagen der Zeugen und schließlich die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung verfolgen. Auch als Schöffe dürfe er Fragen stellen, „man muss sich jedoch seiner neutralen Rolle bewusst sein“, betont Schütte.

Als gleichberechtigter Richter ist das Schöffenamt „ein Stück gelebte Demokratie“, findet Schütte. „Ich darf nicht nur wählen gehen, sondern kann in einer der drei Gewalten – der Rechtsprechung – partizipieren“, sagt der Schöffe. Zugleich erlebe er die Komplexität einer Rechtsentscheidung, er erlebe, wie viel in den meist nur eintägigen Verfahren abgewogen werde und wie viel zu einer Entscheidung in einem demokratischen Rechtsstaat dazugehöre. Schließlich haben die Verhandlungen wenig mit jenen aus dem TV zu tun. „Wir versuchen, in einem positiven Miteinander eine Entscheidung herbeizuführen und Recht zu finden“, betont Schütte. Insbesondere im Jugendstrafrecht stünde der Erziehungscharakter im Vordergrund, „Die Frage ist: Was müssen wir machen, damit so etwas nicht noch einmal passiert?“. Die meisten Angeklagten würden ihre Tat gestehen, sogar einsichtig sein. Dennoch müsse abgewogen werden, ob die Täter nur Grenzen austesten wollten, ob sie ein auffälliges Verhalten an den Tag legten oder ob sie sogar eine grundsätzliche, schädliche Neigung haben. Dabei müssen der Richter und seine beiden Schöffen eine einstimmige Entscheidung finden. „Es darf kein fragwürdiges Urteil geben“, betont Schütte, „man geht nie aus dem Saal und sagt: Das war jetzt falsch.“

Auch in der kommenden Periode, 2019 bis 2024, wird Lutz Schütte sich als Jugendschöffe bewerben. Weitere 28 Kandidatinnen und Kandidaten fehlen jedoch noch. Bewerber müssen Erfahrungen mit Jugendlichen vorweisen, wobei eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Sportverein oder der Besitz einer Jugendleiterkarte ausreichend ist. Arbeitgeber müssen Schöffen von der Arbeit freistellen, der Lohnausgleich ist gewährleistet. Die maximal alle sechs Wochen anliegenden Termine werden bereits am Jahresanfang mitgeteilt, auch ein geplanter Urlaub sei kein Problem. Bewerbungen nimmt die Stadt Elmshorn entgegen, Fragen beantwortet Lilia Weizel unter 04121-231 246.

 

Autor/Autorin: Herr M. Planer, Stadt Elmshorn