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Foto: Burkhard Voelz
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Reit - und Fahrverein von Elmshorn und Umgebung e.V.

Für ihre sportlichen Leistungen im Jahr 2014 wurden eine Sportlerin und ein Sportler des Reit- und Fahrvereins von Elmshorn und Umgebung e.V. geehrt. Hier präsentiert sich ihr Verein.

Text zum Reitsport für die Sportlerehrung der Stadt Elmshorn 2015

Der Reitsport hat in Elmshorn eine lange Tradition. Der Grundstein für den Reit- und Fahrsport in Elmshorn wurde im Jahre 1894 mit der Gründung der Reit- und Fahrschule gelegt. Die aktiven Reiter aus der Züchterschaft in den Elbmarschen hatten sich in vereinsähnlicher Form bereits etwa 1915 zusammengeschlossen. 1924 wurde der Reit- und Fahrverein von Elmshorn und Umgegend e.V. gegründet. Schon bald waren Reiter und Fahrer des Vereins auch auf internationalen Plätzen zu sehen. Namen wie Fritz Thiedemann, Kurt Jarasinski oder Herbert Blöcker sind dabei sicher unvergessen.

Heute präsentiert sich der Reit- und Fahrverein von Elmshorn und Umgegend e.V. als ein moderner Verein mit Tradition. Die Reit-und Fahrschule und die Anlagen des Holsteiner Verbandes werden heute noch für Förderlehrgänge und Turnierveranstaltungen vom RuFV Elmshorn genutzt. Das tägliche Training findet dort für die beim Holsteiner Zuchtverband angestellten Reiter, die auch Mitglieder des RuFV Elmshorn sind, statt. Ansonsten wird das tägliche Training der Mitglieder auf Privat- und Schulpferden in den angeschlossenen Ställen Dose-Dibbern in Elmshorn, Thormählen in Raa-Besenbek, Renschler in Heidgraben und Pippis in Bevern absolviert. Der Verein bietet neben dem Schulbetrieb und Unterricht in Springen, Dressur und Gelände auch das traditionelle Abteilungsreiten und das Quadrille-Reiten an. Mit den Schulpferden wird erfolgreich am bundesweiten Schulpferde-Cup teilgenommen. Die Abteilungs-, Quadrille- und Schulpferdemannschaften holen regelmäßig auch auf Landesebene Platzierungen.

 

Zum Reitsport selbst:

Der Reitsport ist sehr vielfältig und hat daher auch diverse Disziplinen wie Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Jagd-und Distanzreiten, Orientierungsreiten, Westernreiten, Quadrillereiten („Formationstanz“ zu Pferde), Abteilungsreiten, Voltigieren, Therapeutisches Reiten, Polo, Reiterspiele, Ringreiten und viele mehr. Eine Besonderheit im Reitsport ist, dass es, mit nur wenigen Ausnahmen keine Geschlechtertrennung gibt. Frauen und Männer treten gleichgestellt gegeneinander an. Bei den Tieren wird weder nach Geschlecht noch nach Rasse unterschieden.

Der RuFV Elmshorn bietet schwerpunktmäßig Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Quadrille- und Abteilungsreiten an, aber auch eine breite Basisarbeit mit Reiterspielen und Ringreiten. Eine Auswahl dieses Angebotes war 2014 beim Showprogramm des Bürgerempfangs der Stadt Elmshorn zu sehen.

Das Pferd ist für die Reiter ein Sportpartner, mit dem sie in ständiger Kommunikation stehen müssen, um als Paar eine Einheit zu bilden. Haben Pferd und Reiter eine harmonische Einheit erreicht, mag es für Laien so aussehen, als würde nur das Pferd sich sportlich betätigen. Dem ist aber bei weitem nicht so. Im Gegenteil: Der Reiter geht mit der Bewegung des Pferdes mit, und dirigiert es mit „Hilfen“ wie Gewichtsverlagerung, Schenkeldruck und Zügelführung. Auch die Stimme ist ein hervorragendes Hilfsmittel für das Pferd, allerdings bei Dressurturnieren nicht zulässig.

Wer reitet, der trainiert durch die stetigen Anpassungen an die Bewegungen des Pferdes Muskelgruppen in fast jedem Teil seines Körpers – abhängig von der Gangart des Pferdes (Trab oder Galopp) und gefördert durch die hohe Körperspannung des Reiters. So werden mehr Muskeln als in vielen anderen Sportarten angesprochen. Trainiert werden so vor allem die Rücken- und Bauchmuskulatur; Ober- und Unterschenkel sowie Arme und Schultern werden beansprucht. Dabei ist Reiten ein gelenkschonender Sport, der auch Koordination, Gleichgewichtssinn und Konzentration fordert.

Im Reitsport steht das Pferd immer an erster Stelle, denn es wird eine große Verantwortung für das Lebewesen übernommen. Daher ist auch ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein gefordert. Der Umgang mit Pferden erfordert stets die volle Aufmerksamkeit des Menschen und ist ein hervorragender Ausgleich für Stress und dergleichen. Der Sport wird auch eingesetzt bei Menschen mit Behinderungen und Gleichgewichtsstörungen. Die rhythmischen Bewegungen des Pferdes beeinflussen das Finden des Gleichgewichts in einer sehr ruhigen Art und Weise. Die von Natur aus feinfühligen Pferde mit ihrer besonderen Ausstrahlung kommen auch bei Burn-Out-Patienten zum Einsatz.

Kurz: Reiten ist ein wunderbarer Sport im Leistungs- und im Breitensportbereich, aber auch für Freizeitreiter mit Verbundenheit zu Tier und Natur. Es ist niemals zu spät, reiten zu lernen. Wichtig ist es einzig, dass Anfängerkurse belegt werden oder ein erfahrener Reitlehrer die Grundlagen beibringt.

 

Die geehrten Sportlerinnen und Sportler:

 

Zu Jenny Johannson (Schwedin) und dem Springsport

Jenny Johannson ist Mitglied im RuFV Elmshorn seit 2011 und in den hohen Klassen des Springsportes unterwegs. Sie hat nach dem Abitur in Schweden bei Malin Baryard (schwedische Olympiateilnehmerin) geritten und wollte Auslandserfahrungen sammeln. Durch ihre Mutter, die in jungen Jahren bereits in Holstein bei renommierten Reitern gearbeitet hat, kam sie nach Holstein und in den Stall von Tjeert und Ina Rijkens an der Elmshorner Wilhelmstraße. Dort will sie hauptsächlich Erfahrungen im Springsport sammeln. Geplant war eigentlich ein Aufenthalt von einem Jahr. Daraus geworden sind dann doch dreieinhalb Jahre. Jenny hat Pferde vom Stall Rijkens im Springen der Kl. A bis zu Großen Preisen in den schweren Klassen erfolgreich vorgestellt. Jenny Johannson ist Landesmeisterin der Damen im Springen 2014 geworden und hat 2014 mit der schwedischen Mannschaft in Damen (Norwegen) den großen Nationenpreis gewonnen.

Beim Springreiten sind Hindernisse zu Pferde zu überwinden. Es erfordert vom Reiter viel Geschicklichkeit, Balance, Rhythmusgefühl und präzise Einwirkung der Reiterhilfen, um ein Pferd korrekt über Hindernisse zu reiten. Die Schwierigkeit beim Springreiten besteht darin, ein Pferd an den Sprung so heran zu reiten, dass das Pferd beim Absprung eine optimale Flugkurve entwickeln kann. Als Faustregel gilt, dass der Abstand vom Hindernis beim Absprung etwa der Höhe des Hindernisses entsprechen sollte. Es gibt feste Hindernishöhen für die bestimmten Klassen, dabei dürfen 20 Prozent der Sprünge in einem Parcours bis zu 10 Zentimeter erhöht werden. Beim Springreiten ist ein absolutes Vertrauen und Verständnis zwischen Pferd und Reiter notwendig und nicht nur die Höhe der Hindernisse, sondern auch die Distanzen zwischen den Hindernissen machen die Schwierigkeit eines Springparcours aus, bei dem der Reiter auch die Länge der Galoppsprünge von Sprung zu Sprung immer genau einschätzen und reiten muss. Bei der Linienführung des Parcours bei höheren Klassen werden zunehmende Anforderungen an die Rittigkeit des Pferdes und die taktische Übersicht sowie das Augenmaß des Reiters gestellt, der dabei ein ausgeprägtes Gleichgewicht entwickeln muss. Das Springreiten ist in der höchsten Klasse olympische Disziplin.

 

Zu Roland Metzler und dem Dressursport:

Roland Metzler ist Mitglied im RuFV Elmshorn seit 2003. Er fing jung, damals im Süden Deutschlands auf dem elterlichen Hof, mit dem Ponyreiten an und hat dort später zu Pferde Erfolge bis zur Klasse M zu verzeichnen gehabt. Im Jahr 2000 siedelte er in den Norden über und arbeitete als Bereiter unter anderem bei Tjeert Rijkens (Elmshorn) und Hans Peter Mohr (Bevern). 2006 machte er sich in Tornesch selbstständig und bildet junge Pferde und Hengste im Dressursport aus – und hat sich einen Namen als Reit-Ausbilder gemacht. Daneben ist er selbst erfolgreich in den höchsten Klassen der Dressur unterwegs und hat diverse Siege in der Klasse S und höher zu verzeichnen. So hat er in 2014 zum Beispiel den 2. Platz bei der Grand Prix Kür International auf dem Hamburger Derby erritten. Zudem hat er diverse Siege in der schweren Dressur erzielt. Ihm wurde deshalb in 2014 das goldenen Reitabzeichen verliehen, das nur aufgrund von großartigen Erfolgen (mindestens zehn Siege in Klasse S) verliehen wird.

Die Dressurarbeit ist der Grundstock zur Ausübung aller Reitdisziplinen. Eine Dressur ist eine Aus- und Weiterbildung des Pferdes und seiner natürlichen Bewegungen. Sie beginnt mit dem Anreiten des jungen Pferdes und endet nach Durchlaufen der Ausbildung in der vollendeten Versammlung durch perfektes Ausführen aller bekannten Dressurlektionen in vollendeter Eleganz. Die verschiedenen Schwierigkeitsstufen (E – Einsteiger; A – Anfänger, L – Leicht, M – Mittelschwer, S – Schwer) enthalten bestimmte, sich steigernde Lektionen und Aufgaben.

Pferd und Reiter müssen dabei gut durchgymnastisiert sein und nur ein durchlässiges auf alle Hilfen gut reagierendes Pferd kann die Anforderung der hohen Dressur erfüllen. In den hohen Dressurklassen muss zwischen Reiter und Pferd eine völlige Harmonie bestehen – denn hier wechseln die Lektionen zwischen Versammlung und Verstärkung der Gangart, zwischen Pirouetten und verschiedenen Galoppwechseln, Seitwärtsgängen und Gangartwechseln, bei denen der Reiter die mit dem Pferd abgestimmten feinfühligen Gewichts- Schenkel- und Zügelhilfen beherrschen muss.

In den hohen Klassen ist dann ein Pferd mit kraftvollen und doch tänzerischen wunderschönen Bewegungen zu sehen. Dressurreiten ist olympische Disziplin, ausgetragen in der Klasse Grand Prix, Grand Prix Spezial und Grand Prix Kür.

Autor: Reit- und Fahrverein Elmshorn und Umgebung e.V. 
Autor*in: Reit- und Fahrverein Elmshorn und Umgebung e.V.