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Datum: 29.06.2020

Wechsel an der Spitze der Volkshochschule Elmshorn

Nach fast 25 Jahren als Leiterin der Volkshochschule (VHS) Elmshorn verabschiedet sich Karen Wurr-Feldmann am 30. Juni 2020 in den Ruhestand. Ihrer Nachfolgerin und bisherigen Stellvertreterin Maike Bünning hinterlässt sie ein wohlgeordnetes Haus und ein Team, das durch Kreativität und Kollegialität besticht. „Das Team und die gegenseitig befruchtende Arbeit im Team werde ich am meisten vermissen“, sagt die 65-Jährige, die sich dennoch auf ihre neu gewonnene Freizeit und den Perspektivwechsel freut.

„Mit ihr geht eine Institution, das Gesicht der Volkshochschule“, sagt Bürgermeister Volker Hatje. Wurr-Feldmann habe die Einrichtung fest in der Gesellschaft verankert und ihr weit über die Stadtgrenzen hinaus großes Ansehen verschafft.

Neugier und Offenheit

„Sie ist immer offen, immer neugierig geblieben – bis zur Rente“, bewundert Hatje. Das zeigte sich einmal mehr in der Corona-Krise, die die Volkshochschule hart traf. „Aber die Kolleg*innen waren wieder sowas von kreativ“, freut sich Wurr-Feldmann. Im Ergebnis betrat die Einrichtung Neuland und stellte kurzerhand auf Online-Angebote um, soweit dies möglich war.

Ein weiterer Beleg für den Zeitgeist der VHS sei das Jahr 2015, als viele Migrant*innen auch in der Krückaustadt Zuflucht suchten, so Hatje: „Die Volkshochschule hatte schon Lösungen, bevor wir überhaupt Ideen aufzeigen konnten.“ Denn bereits 2005 – zehn Jahre vor der Flüchtlingsbewegung – wurde die Elmshorner VHS anerkannter Träger für Deutsch- beziehungsweise Integrationskurse. Zusammen mit den anderen Volkshochschulen des Kreises und dem Diakonieverein entwickelte sie ein Konzept in diesem Bereich, das deutschlandweit viel Beachtung fand.

Dienstantritt 1995

Das ganze Team erfinde sich ständig neu, bleibe immer im Trend, so Hatje. Und das habe viel mit der Frau an der Spitze zu tun. Wurr-Feldmann übernahm die Leitung der Volkshochschule Elmshorn im Oktober 1995. „Ich habe mich ins gemachte Nest gesetzt“, sagt sie – erst zwei Jahre zuvor war die Einrichtung aus dem Gebäude der Musikschule in der Gärtnerstraße in die Bismarckstraße 13 gezogen. Seitdem hat sie dort ihren Sitz.

Das Haus ist ein echtes Schmuckstück, findet Wurr-Feldmann: „Mein schönstes Erlebnis in meiner ganzen Zeit war, als ich es zum ersten Mal betreten und von innen erlebt habe.“ Auf drei Ebenen biete es jede Menge Möglichkeiten für den Kurs- und Seminarbetrieb: „Mit diesem Haus können wir ganz andere Zeitfenster bedienen – vom gemütlich Aquarellmalkurs am Vormittag über den Sprachkurs für Berufstätige am Abend bis zum Vollzeit-Bildungsurlaub.“ Und sollte es doch mal nicht reichen, kann die Volkshochschule zum Beispiel die Aula des gegenüberliegenden Bismarckgymnasiums mitnutzen.

Fokus auf sozialverträgliche Gebühren

So breit gestreut wie das Angebot ist auch die Klientel. „Für jeden, zu jederzeit, zu jedem Thema“, so lautet der Programmanspruch von Wurr-Feldmann. Daher seien auch die sozialverträglichen Teilnahmegebühren so wichtig. „Diese Form der Weiterbildung zu ermöglichen, ist ein öffentlicher Auftrag“, betont die VHS-Leiterin. Es gehe dabei nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch um soziale und gesellschaftliche Teilhabe, um den politischen Schlagabtausch im Aquarellmalkurs.

„Volkshochschule ist Begegnung“, unterstreicht Wurr-Feldmann. Die Tochter einer älteren Kursteilnehmerin habe es bei einer Zufallsbegegnung unter den Alleebäumen vor der Tür auf den Punkt gebracht: „Volkshochschule ist nicht nur für den Kopf wichtig, sondern auch für das Herz und den Geist.“

Unterstützung aus der Politik

Für ihre Aufgabe werde die Einrichtung immer auf Zuschüsse angewiesen sein, die in Elmshorn vor allem von der Stadt, in deutlich geringerem Umfang auch von Kreis und Land gezahlt werden. Wurr-Feldmann betont in diesem Zusammenhang: „Die Wertschätzung durch die Politik war immer da. Das wünsche ich mir auch für meine Nachfolgerin.“

Auch von Neuerungen konnte die Leiterin die Lokalpolitiker am Ende überzeugen. So beispielsweise, als es Ende der 1990er-Jahre darum ging, die berufsorientierte Weiterbildung an der VHS zu installieren beziehungsweise stark auszuweiten. „Das war ein Qualitätssprung und ein großer Schritt“, unterstreicht Wurr-Feldmann. Dank der gut kalkulierbaren Einnahmen sei damit auch der Zuschussbedarf gesunken.

Selbstkritik als Erfolgsgeheimnis

Auf Grundlagenkurse folgten spezialisierte Angebote, dazu zertifizierte Kurse in  den Bereichen Fremdsprachen, Deutsch und Bildungsurlaub. Die Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Uetersen und heute Barmstedt läuft reibungslos. Ebenso die Sommerakademie der Volkshochschulen im gesamten Kreis Pinneberg, die 2005 als Lückenschluss zwischen den Semestern eingeführt wurde.

„Wir stellen uns und unsere Strukturen und Inhalte permanent selbst in Frage“, erklärt Wurr-Feldmann ihr Erfolgsgeheimnis. Ab dem 1. Juli darf sie das ihrer Nachfolgerin und ihrem eingespielten Team überlassen. Sie selbst will dann erstmal ihre neu gewonnene Freizeit und Freiheit genießen, hat alle Termine geblockt. Fest steht nur die Teestunde am Morgen, danach sind zum Beispiel Sport, Klavierspielen oder ein gutes Buch Beschäftigungsvarianten. Und vielleicht der ein oder andere Besuch an der alten Wirkungsstätte…