Elmshorner Rathaus, Neubau oder Sanierung – das ist die Frage
Denkmalschutz, Formaldehyd, Arbeitsschutz, Gesundheitsgefährdung von Mitarbeitern, Investitionskosten für Sanierung oder Neubau und zu wenig Platz für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Dies sind Schlagwörter, die heute eine öffentliche Diskussion um das Elmshorner Rathaus prägen. Seit nunmehr fünf Jahren, seit 2006, diskutieren Politik, Verwaltung und Bürger über „ihr Rathaus“.
Historie
Die Grundsteinlegung für das Rathaus fand am 8. Mai 1964 statt. Das Richtfest feierte Elmshorn am 21. April 1965. Im Juli 1967 zogen schließlich die Verwaltungsmitarbeiter ins neue Rathaus ein. Am 23. September 1967 erfolgte eine offizielle Einweihung. Schon bald begann eine Debatte über die Funktionalität des Rathauses. Und so mancher Politiker kommt nach einer Sitzung zu der Erkenntnis: Wenn man aus dem Rathaus kommt, ist man schlauer.
Bereits Ende der 1960er-Jahre/ Anfang der 70er bot das Rathaus Gesprächsstoff: Im Sommer war es viel zu heiß, im Winter mussten die Heizungen „brüllen“, damit es richtig warm wurde. Gerd Richter, Verwaltungsdirektor a. D., erinnert sich an erste Maßnahmen, um diese Probleme abzustellen: Auf der Westseite installierte man vor den Fenstern Außenjalousien. Im Staffelgeschoss tauschten Fachfirmen die nicht zu öffnenden Fenster gegen zu öffnende Fenster aus.
Rund zehn Jahre später war es im Rathaus für die steigende Anzahl von Mitarbeitern zu eng. Natürlich folgte wieder eine veraltungsinterne und politische Debatte. Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre gab es mehrere „Auslagerungen“. Seit dieser Zeit sind Rathaus-Mitarbeiter wieder in mehreren Gebäuden für die Bürger tätig: In der Weißen Villa und im Kutscherhaus. Außerdem wurden die Verwaltungsmitarbeiter der Stadtentwässerung sowie des Betriebshofes und später auch das Amt für Kultur und Weiterbildung ausgelagert.
Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre gab es zwei offizielle Planspiele im Elmshorner Rathaus. Die Gründe für diese Planspiele sind in Teilen mit den heutigen Schlagwörtern identisch: Es ist zu eng und zu heiß im Rathaus. Außerdem gleicht das Gebäude einer Energieschleuder. Im Auftrage des damaligen Bürgermeisters Bernd Schwachenwalde entwickelte Gerd Richter Ideen für ein Rathaus am Nordufer. Das Richter-Planspiel verwarf die Verwaltungsspitze und erreichte nie die politische Ebene. Anders war dies mit dem zweiten Planspiel. Der Magistrat beschäftigte sich mit Anbauplänen in Richtung Probstenfeld und einer Erweiterung inklusive Tiefgarage in Richtung Königstraße („Alte Pizzeria). Doch auch dieser Plan verschwand in den Schubladen.
Eintragung in das Denkmalbuch
2006 starteten Verwaltung und Politik ein neues Planspiel. Fachleute im Rathaus entwickelten konkrete Pläne für eine Sanierung. Schließlich war es im Sommer immer noch zu heiß in den Arbeitsräumen, gab es zu wenig Platz und wurde immer noch die Energie zum Fenster rausgeschleudert. Die Sanierungskosten schätzten Fachleute damals auf rund 3,8 Millionen Euro. In den politischen Gremien gab es dazu unterschiedliche Meinungen. Die Jahre zogen ins Land. Am 31. März 2009 überbrachte Bürgermeisterin Brigitte Fronzek den politischen Mitgliedern im Hauptausschuss eine Nachricht, die heute noch umstritten ist: Das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel hat den Denkmalwert des Gebäudes auf Antrag des Architekten Dieter Rogalla begutachtet. Das Ergebnis: Das Elmshorner Rathaus ist aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch einzutragen. Der Nachkriegsbau sei Zeugnis des Wiederaufbaues der Republik und für Funktionalität. Astrid Hansen, Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege, schreibt über die Architektur im heimatkundlichen Jahrbuch des Kreises Pinneberg 2011: „So ist zu lernen, dass Reduktion der Form und ein ‚zartes Profil’ eben nicht Armseligkeit bedeuten, sondern ein durch Minimalismus sich bis zum Äußersten gesteigertes Detailbewusstsein beinhaltet.“
Gutachten soll in Auftrag gegeben werden
Schließlich folgten 2010 und in diesem Jahr gleich mehrere Hiobsbotschaften: Es gibt Formaldehyd-Belastungen, wenn diese auch nicht gesundheitsschädigend sein sollen. Mehrere Arbeitschutzbestimmungen werden laut Fachbehörden nicht eingehalten. Betondecken sind zu dünn und müssen verstärkt werden. Dies und Fragen zur Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses – im Innenraum, an der Fassade und dem Außenbereich – führten gleich zu mehreren Gutachten, zur überregionalen Debatte und Berichterstattung in Zeitungen, Funk und Fernsehen. Elmshorns Verwaltung erstellte eine Vorlage nach der anderen für die ehrenamtlich tätigen Politiker und Politikerinnen. Trotzdem ist noch nichts entschieden. Zu viele Fragen sind noch offen. Heute gibt es mehrere Alternativen. Eine Sanierung soll 13,5 Millionen Euro kosten. Die notwendige räumliche Erweiterung des Rathauses wird auf 1,7 Millionen Euro geschätzt. Bei einem Neubau gehen Experten von Ausgaben in Höhe von rund 19 Millionen Euro aus. Wie gesichert die Zahlen sind, ist umstritten. Um offene Fragen beantwortet zu bekommen, beschloss die Selbstverwaltung am 9. Mai dieses Jahres ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben. Im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres soll nach heutigem Stand eine politische Entscheidung über Sanierung, Erweiterung oder über einen Neubau beschlossen werden.