Elmshorner Rathaus kostet 6,2 Millionen Mark
Standort auf dem Gelände der Volksschule Probstenfeld
Die günstigsten Voraussetzungen für die Errichtung eines Rathausneubaues bietet der Standort auf dem Gelände der Volksschule Probstenfeld. Dies schrieb ein Gutachtergremium am 20. Februar 1960 an die Stadt Elmshorn. Die Professoren Hillebrecht aus Hannover, Jensen aus Kiel und May aus Hamburg begründeten diesen Vorschlag wie folgt: „Hier ist die Gelegenheit gegeben, einen Kristallisationspunkt zu bilden für eine erwünschte städtebauliche Neuordnung und Abrundung des bis jetzt noch zerrissen wirkenden Stadtkernes. Hier lassen sich räumlich besonders reizvolle Zusammenhänge mit der geplanten Einkaufsstraße (gemeint ist die Königstraße, die bereits Mitte der 60er Jahres als Fußgängerzone ausgewiesen werden sollte, was aber zunächst scheiterte), wie auf dem alten Marktplatz und Bahnhofsvorplatz, unter Einfügung vorhandener Querverbindungen für Fußgänger schaffen. Dabei bietet sich weiter die Gelegenheit an, zwischen Königstraße und der Schulstraße eine Anliegerstraße für den Lieferverkehr auszuführen, deren notwendige Bebauung eine volle Neugestaltung des südlichen Randes des Probstenfeldes herbeiführen könnte.“
Mit diesem Gutachten begann endlich die konkrete Planung, aus dem Stadium der langjährigen Diskussion war Politik und Verwaltung heraus. Eine Diskussion, die bereits Anfang des Jahrhunderts begann. Ein Rückblick: Wie im Teil 1 der kleinen Rathaus-Serie berichtet, bezogen die Mitarbeiter der Stadt Elmshorn erstmalig 1889 ein Rathaus, das Gebäude Schulstraße 1. Schon bald erwies sich dieses Haus als zu klein für die wirtschaftlich wachsende Stadt mit starkem Bevölkerungszuwachs. 1906 kaufte die Stadt das Haus Schulstraße 28, hier war das Amtsgericht angesiedelt. 1911 zog die Polizeiverwaltung in dieses Haus, weil das Rathaus mittlerweile „überfüllt“ war. Bereits zu dieser Zeit gab es neben dem Rathaus Unterkünfte für Verwaltungsmitarbeiter in der Schulstraße 28, in der Peterstraße 18 (Stadtkasse) und in der Schulstraße 30 (Bauamt und Abfuhranstalt). Die Folge: 1913 beriet die Selbstverwaltung über den Bau eines Rathauses. Doch mangels Geldmasse verzichteten die Ratsmitglieder auf einen Neubau.
Während des Ersten Weltkrieges kaufte die Stadt das Nachbargrundstück zur Schulstraße 1, das Haus Nummer 3. Die Häuser erhielten einen Verbindungsbau. Trotzdem blieben Polizeiverwaltung, Bauamt und Stadtkasse weiterhin ausgelagert. Die Stadtkasse bekam jetzt eine Unterkunft in der Kirchenstraße 8, wo auch 1938 das Steueramt eingerichtet wurde. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges arbeiteten städtische Bedienstete in fünf verschiedenen Gebäuden. Während des Krieges kamen noch das Ernährungs- und Wirtschaftsamt und ein neu eingerichtetes Wohnungsamt hinzu. Diese Ämter „wanderten von Haus zu Haus“ und waren unter anderem in der Burdiekstraße und auf Kaltenweide untergebracht. Während der Bombennacht im August 1943 zerstörten Kriegsgegner das Verwaltungsgebäude in der Kirchenstraße 8 und das Haus Schulstraße 30. Dadurch mussten verschiedene Ämter wieder behelfsmäßig untergebracht werden.
Einen 1955 fertig gestellten Verwaltungsanbau in der Schulstraße 30 mussten die Beamten vier Jahre später für die benachbarte Mittelschule räumen. Dieser kurze Rückblick verdeutlicht: Die Stadt Elmshorn mit einer pulsierenden Wirtschaft und mit stetigem Bevölkerungszuwachs besaß kein „echtes Rathaus“. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass über viele Jahre nicht einmal am Gebäude Schulstraße 1 das Wort „Rathaus“ stand.
Es sei im Rückblick abschließend angemerkt, dass 1937 der bekannte Architekt und Baumeister Professor Fritz Höger im Zusammenhang mit Umbauten des „Holsteinischen Hofes“, eines wichtigen Hotel- und Saalbetriebs im Stadtzentrum, eine Planungsidee für eine Stadthalle mit einem sich anschließenden Rathaus-Neubau entwickelte. Doch aus dieser Idee wurde nichts.
1961 Entscheidung für den Mensinga-Rogalla-Entwurf
In den 50er Jahren, 1956, begann die neue Planung für ein „echtes Rathaus“. Sieben Standorte waren im Gespräch, angefangen vom damaligen Bahnhofsvorplatz bis hin zum Wechselplatz. Nach der Vorlage des oben erwähnten Gutachtens, beschloss die Stadtvertretung am 20. April 1960 einen Bauwettbewerb mit Gesamtpreisen von 25 000 Mark auszuschreiben. Ferner bildeten neun Mitglieder des Kollegiums einen so genannten Rathausausschuss. Am 30. Oktober 1961 lagen 86 Lösungsvorschläge auf dem Tisch. In wochenlanger Arbeit hatten drei „Vorprüfer“ unter Berücksichtigung der Wettbewerbsbedingungen die eingereichten Arbeiten unter die Lupe genommen. Das Preisgericht entschied sich in einer Sitzung am 30. Oktober 1961 für die Vorlage der Hamburger Architekten Hans Mensinga und Dieter Rogalla. Begründung: Das vorgeschlagene viergeschossige Bauwerk mit einem eingeschossigen Teil für Sitzungssäle ist funktional, weist eine ruhige Architektur aus und passt sich in das Umfeld (Probstenfeld) ein. Am 29. November 1961 stimmte das Kollegium der Entscheidung des Preisgerichtes zu. Der preisgekrönte Mensinga-Rogalla-Entwurf sollte umgesetzt werden.
Einzug der Verwaltung in das neue Rathaus im Jahr 1967
Die Jahre 1962 und 1963 dienten zur weiteren Vorplanung und 1964 war es dann endlich soweit: Am 8. Mai legten Bürgervorsteher und Bürgermeister eine Kassette mit einer Urkunde und der aktuellen Ausgabe der Elmshorner Nachrichten in den Grundstein. Am 21. April 1965 zogen Handwerker den Richtkranz in die Höhe. Im Juli 1967 zog die Verwaltung in die neuen modernen Räume ein.
Entstanden war ein Stahlbetonskelettbau, dessen Geschosse auf vier Säulenreihen ruhen. Das viergeschossige „echte Rathaus“ ist 67 Meter lang, die bebaute Fläche beträgt rund 1.900 Quadratmeter, der umbaute Raum beträgt 23.333 Kubikmeter, die Nutzfläche (Netto) beträgt etwa 6.200 Quadratmeter, einschließlich Flure und Kellerräume.
Die Baukosten betrugen 6,27 Millionen Mark, wovon die Stadt 4,2 Millionen Mark aus den Rücklagen finanzierte.
Inzwischen ist das Rataus wieder zu klein
Seit vielen Jahren „pfeifen es die Spatzen vom Rathausdach“: Die Verwaltung hat viel zu wenig Platz und lagerte Abteilungen des Rathauses aus (Teil 3).