Kurznachrichten 1878 und 79 Juli
Nachrichten aus längst vergangenen Tagen
Dem hoch geschätzten und geehrten Leser unserer Homepage gereichen wir hiermit im digitalen Zeitalter eine wohlmeinende Kostprobe von Kleinstnachrichten aus jener königlich-kaiserlichen Glanzzeit, welche daselbst verbunden mit jenem Neubeginn eines Mediums, das noch heute, Sie, unsere geschätzten Leser, nicht nur lustvoll unterhalten will, sondern Sie mehr noch über den Lauf der Welt zu informieren wünscht – den Elmshorner Nachrichten! Dabei möchten wir tunlichst Ihr Augenmerk lenken auf die Wortwahl und den Stil jener Zeitgenossen, die schon damals nur eines kannten und im Sinn hatten: Für Sie, unseren hoch verehrten Leser, Bestmögliches in Ihrer Heimatzeitung zu Wort zu bringen.
Elmshorner Nachrichten, 23. Januar 1878:
Für die hiesigen Tabakraucher – und zu ihnen möchte dreiviertel der männlichen Menschheit gehören – eröffnet sich das gegenwärtige Jahr mit einer sehr angenehmen Aussicht, insofern sie einer hohen Besteuerung und Verzollung des Nicotianischen Krautes entgegensehen können. Das Deficit des deutschen Reiches wird immer größer . . .
Elmshorner Nachrichten, 9. Februar 1878:
Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, wird am 21. d. Mts. Die Maskerade der Schleswig-Holsteinischen Liedertafel stattfinden . . .
Elmshorner Nachrichten, 8. Mai 1878:
Gestern Abend gegen 10 ½ Uhr wurden wir durch ein heftiges Erdbeben erschreckt. Zwei Stöße folgten in kurzen Zwischenräumen; die Häuser wurden bis in die Grundfesten erschüttert, die Fenster klirrten, Thüren sprangen auf. In Pinneberg sollen die Erschütterungen noch weit heftiger und unzählige Fenster zertrümmert sein. Wie wir hören, soll der Pulverthurm in Schulau zu anfangs erwähnter Zeit in die Luft geflogen sein, doch ist Näheres über die Katastrophe zur Stunde hier noch nicht bekannt.
Elmshorner Nachrichten, 6. November 1878:
Unser Herr Korrespondent aus Uetersen schreibt uns zu dem Vergiftungsunfall der Münster’schen Eheleute: Die Resultate der chemischen Untersuchung, die in Altona angestellt wird, sind noch nicht bekannt. Es ist also immer noch fraglich, ob wirklich eine Vergiftung den Tod der Eheleute verursacht hat.
Elmshorner Nachrichten, 7. Dezember 1878:
Das liebe Weihnachtsfest mit seinen Gaben ist vor der Thür. Ein Gang durch die Straßen, ein Blick in die geschmückten und mit niedlichen besitzenswerthen Verkaufsgegenständen aller Art gefüllten Läden, zeigen, dass für mannigfaltige und reiche Ausstattung unseres Weihnachtstisches gesorgt ist. Wir heben an dieser Stelle besonders hervor die Ausstellungen der Herren Allers und Stark, im Schützenhof und in der Schweizerhalle. An beiden Stellen sind hübsche und gute Sachen in erstaunlich großer Auswahl, die zu Preisen von 10 – 50 Pfennig und 10 bis 100 Pfennig sich zu kleinen Weihnachtsgeschenken vorzüglich einigen. Dasselbe gilt auch von den übrigen Verkaufsständen in der Stadt, wie denn überhaupt derartige Waren heuer billiger sind denn je. Nur schade, daß der Mangel an Ueberfluß an Kleingeld so groß ist!
Elmshorner Nachrichten, 4. Januar 1879:
Unsere Wächter versammeln sich bekanntlich abends eben vor 10 auf dem Marktplatz und Punkt 10 Uhr, wenn die Thurmuhr geschlagen, werden dieselben von dem Oberwächter Rickert in die verschiedenen Stadttheile gesandt. So auch am Sylvester-Abend. Die Wächter hatten sich zur vorgeschriebenen Zeit versammelt, und harrten auf den Schlag der Thurmuhr, aber dieselbe schlug nicht. Nachdem nun Herr Uhrmacher Niehus durch den Oberwächter Rickert geweckt worden war, constatierte ersterer, daß an dem Schlagwerk der Thurmuhr ein Stift fehlte und wurde der Uebelstand sofort beseitigt. Als sehr merkwürdig wäre dieser Fall wohl zu bezeichnen gewesen, wenn sich derselbe zwei Stunden später ereignet hätte, indem zu der Zeit die Sangesbrüder der Liedertafel "Schleswig-Holstein“ und die des Gesangsvereins "Concordia“ sich mit brennenden Fackeln von ihrem Gesanglokale "Holst.Hof“ nach dem Marktplatz begaben um hier präcise 12 Uhr 21
1. des Jahres letzte Stunde,
2. die Hymne und
3. die Wacht am Rhein
unter Begleitung des städtischen Musikkorps zu singen.
Elmshorner Nachrichten, 22. Januar 1879:
Im Jahre 1878 gingen in unserem Hafen Schiffe ein: 1623 mit circa 32.000 Cubikmeter Raum; ausgegangen: 1606 Schiffe. Außerdem gingen 7 neugebaute Fischkutter, für englische Rechnung, mit 1610 Cubikmeter Raum, sowie eine Galasse und 5 Ewer mit circa 550 Kubikmeter Raum aus.
Elmshorner Nachrichten, 22. März 1879:
Heute begeht die deutsche Nation ein zwar jährlich wiederkehrendes, aber dieses Mal besonders weihevolles Fest: Die Geburtstagsfeier unseres nun zweiundachtzigjährigen Kaisers. Der poetischen Sprache müssen wir es überlassen, die Großthaten unseres Heldenkaisers zu feiern und sie der gesamten Nation in Erinnerung zu bringen, aber gedenken wollen wir doch an dieser Stelle den Empfindungen, die das Herz jedes echten deutschen Mannes bei der diesjährigen Geburtstagsfeier des Kaisers erfüllen müssen . . .