Victualien im Angebot
Der erste Eindruck: Viele Autos! Der zweite Eindruck: Der Betrieb hält sich in Grenzen. Wo? Auf dem Buttermarkt. Es ist ein Mittwoch im August 2011, 11.45 Uhr, und auf dem traditionsreichen Wochenmarkt der Stadt Elmshorn bieten Händler ihre Waren an. Seit 270 Jahren gibt es diesen Wochenmarkt.
Am 26. August 1741 erließ Georg Wilhelm Baron von Söhlenthal als "bestallter Administrator“ der dänischen Herrschaft die "Anordnung wegen der zwei Wochenmärkte in Elmshorn“. Dänemark übernahm die 1650 gegründete Grafschaft Rantzau im Jahre 1726. Hier herrschten die Dänen bis 1866.
Fünf Jahre vor der Anordnung, 1736, wurde Elmshorn zu einem zunftberechtigten Flecken. Der kleine Ort gewann lokal an Bedeutung und übernahm für die umliegenden Dörfer zentralörtliche Funktionen. Kein Wunder, dass bereits fünf Jahre später aus dem Hause Rantzau der Flecken Elmshorn berechtigt wurde, Wochenmärkte abzuhalten. Victualien, Lebensmittel, und andere Waren durften unter strenger zeitlicher Reglementierung verkauft werden. Bis 1928 versammelten sich Händler und Konsumenten mittwochs und sonnabends an der Nikolaikirche. Danach wechselten Käufer und Verkäufer auf den heutigen Buttermarkt – der wirtschaftliche Aufschwung zwang zum Platzwechsel. Der damals noch als "alter Gasplatz“ genannte Buttermarkt war größer und so traf man sich ab dem 3. Oktober 1928 an neuer Stelle. Bereits einen Monat später, im November 1928, verkauften in der neuen Markthalle 49 Händler ihre Waren. Die neue Markthalle war ein altes Gebäude und steht heute noch: Es handelt sich um die ehemalige Lagerhalle der damals in Konkurs gegangenen Lederfabrik Strecker. Die Stadt Elmshorn hatte die Halle gekauft.
In den Aufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg kamen immer mehr Händler. 1954 sollen bis zu 190 Beschicker ihre Waren angeboten haben. Der Wochenmarkt erstreckte sich jetzt über den Buttermarkt hinaus bis auf die parallel verlaufende Schauenburgerstraße. Anfang der 1970er-Jahre gab es eine Zählung (oder auch Schätzung): 8000 bis 10000 Besucher kamen sonnabends auf den Wochenmarkt.
Von diesen Zahlen ist man heute weit entfernt. Auch die Anzahl der Beschicker sank. Sie liegt heute sonnabends bei 80 bis 85 Händlern und mittwochs zwischen 70 bis 75. Doch nicht nur die Anzahl der Händler hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert, auch das Angebot. Im 18. Jahrhundert boten fahrende Händler Tuch, Gewand, Leder- und Schuhwerk an. Auch Waffen und Schmuck verkauften sie. Ackerbauer der Region waren mit Gemüse und Obst dabei. Andere Händler, Krämer oder Marktfrauen verkauften Salben. Kräuter, Wurzeln, Salz oder Gewürze. Die Stände, wenn es denn überhaupt welche gab, waren klein. Oft lag die Ware einfach vor den Marktfrauen auf dem Boden oder auf einem einfachen Holztisch. Auch Kleinvieh war im Angebot – bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Undenkbar ist heute, dass Gemüse und Obst auf dem Boden liegen. Und aus kleinen Verkaufsständen – wie es sie noch bis in den 1960er-Jahren und 1970er-Jahren gab – sind große Stände geworden. Dahinter stehen noch größere Fahrzeuge. Sie beherrschen das Bild des Wochenmarktes auf dem Buttermarkt. Im Angebot heute: Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und andere Lebensmittel, aber auch billige Kleider und Schmuck. Wer sich Bilder aus längst vergangenen Tagen anschaut, registriert den Unterschied zwischen damals und heute sehr deutlich.