Von der Sägemühle bis zur Energieberatung
Elmshorn. Alles begann mit einer Genehmigung des Dänenkönigs Friedrich V. im Jahre 1752. Er genehmigte einem Hanß Rave, eine „vom Wind zu treibende Schneide- und Sägemühle“ zu bauen. Der Genehmigung folgte im Jahre 1753 der Kauf eines Grundstückes durch Rave „auf den Kaltenweyden, am sogenannten Bauernwege“. Hinrich Timm verkaufte Rave damals ein zirka 2000 Quadratmeter großes Grundstück – die Keimzelle des heute weit über Elmshorns Grenzen hinaus bekannten Unternehmens Holz Junge.
Rave machte sich sofort ans Werk und baute eine holländische Mühle, 1755 folgte bereits ein Wohnhaus neben der Mühle. Doch der Mühlenbauer hatte sich wohl finanziell übernommen. Insbesondere die Anfertigung einer teuren Kurbelwelle führte möglicherweise wieder zum schnellen Verkauf des Geländes. Dieses drei Meter lange Vierkanteisen von 13 x 13 cm Stärke musste in Mittelengland geschmiedet werden. Hierzulande war dies nicht möglich. So wechselte bereits vier Jahre nach dem ersten Kaufvertrag das Grundstück wieder den Eigentümer. Max Schümann erwarb das heute an der Mühlenstraße/Julius-Leber-Straße liegende Areal – damals natürlich wesentlich kleiner als heute. Bis 1826 gab es noch mehrere Eigentümerwechsel: Joachim Stoldt, Joachim Stoldt jun., Claus Witt, Thies Heins und Bernhard Christian Otte hießen die Mühlenbetreiber. Kontinuität kam erst mit Michel Junge, der den Betrieb 1826 kaufte. Dessen Vater, Michel Junge sen., ein reicher Unternehmer, Brenner und Brauer, war. Der Senior erbaute das Möhringsche Haus um 1780 und betrieb dort eine Brennerei und Brauerei.
Gehandelt wurde damals mit rauem Holz, das mit dem eigenen Schiff bis nach Hamburg geliefert wurde. Auch das Walfangschiff „Flora“ bekam jedes Jahr die Ausrüstung geliefert. Tag und Nacht ging die Mühle und die Belegschaft betrug zirka 40 Mann. Geliefert wurden unter anderem Bretter und Holz für Dachstühle.
Michel Junge setzte seinen Sohn Carl Friedrich als Geschäftsführer ein. Danach übernahmen Heinrich und Adolf Junge, Söhne von Michel Junge, das Geschäft in 2. Generation. 1842 führte ein großer Brand in Hamburg zu einem Anstieg der seit einigen Jahren lahmenden Konjunktur. Holz war wieder verstärkt für den Häuserbau gefragt. Bis 1880 waren bei Holz Junge immer Handsäger beschäftigt. Erst als die ersten Dampfsägemühlen errichtet wurden, starb dieser Beruf aus. 1873 folgte die 3. Generation: Eduard Junge übernahm das Unternehmen von seinem Onkel Adolf. Es erfolgte auch ein offizieller Wechsel der Firmenbezeichnung: Aus M. Junge M.S. wurde jetzt Ed. Junge. Eduard übergab den Betrieb an seine beiden Söhne Carl Eduard D. und Christian Eduard Fr. Junge im Jahre 1904. Beide führten das Unternehmen in 4. Generation als Offene Handelsgesellschaft (OHG) und Eigentümer waren nunmehr zwei Mitglieder einer Familie. Die 5. Generation übernahm im Jahre 1939 den Holzhandel: Roloff Junge, Sohn von Christian Eduard Friedrich, und Eduard Chr. C., Sohn von Carl Eduard D., übernahmen den Betrieb. Roloff starb im 2. Weltkrieg.
Früh ran musste daher der 1936 als Sohn von Roloff Junge geborene Michel Junge. Mit 20 Jahren trat er in das Unternehmen ein und führte es erfolgreich bis 1999. Miteigentümer war sein Seniorpartner Eduard Chr. C. Junge, der Vetter seines Vaters Roloff. Eduard Chr. C. Junge blieb bis 1978 im Geschäft. Dessen Sohn Eduard Carl-Peter trat 1965 in die Firma ein. Gemeinsam mit Michel Junge, seinem Vetter 2. Grades, entwickelte er das Geschäft in der 6. Generation Junge weiter. Er trat 4 Jahre nach Michel Junge im Jahre 2003 aus dem „aktiven Dienst“. Wie gut der Generationenwechsel über Jahrzehnte funktionierte, bewies auch die Aufnahme der 7. Generation in die Geschäftsführung: 1994 kam Jens Junge, Sohn von Eduard C. P., und 1995 Carsten Junge, Sohn von Michel Junge ins Unternehmen. Heute sind Jens und Carsten Junge die Geschäftsführer und Eigentümer des erfolgreichen Betriebes. Seit 1983 lautet die offizielle Firmenbezeichnung Holz Junge GmbH.
Viel verändert hat sich seit der Firmengründung: Die Industrialisierung führte zu immer neuen Arbeitsabläufen. Aus dem Verkauf von rauem Holz, also auch einfachen Brettern und anderen Hölzern, entwickelte sich der Verkauf von gehobeltem Material, Leisten und Schnittholz für viele Elmshorner Tischlereien und Zimmereien. Wer heute in die Geschäftsräume von Holz-Junge kommt, sieht nicht nur große mit Holz gefüllte Hallen, sondern auch Kunststoffprodukte, Gartenmöbel, Isoliermaterial, Spanplatten, die unterschiedlichsten Bodenbeläge und viel Kleinmaterial, das Handwerker und Heimhandwerker benötigen. Stets entwickelte sich das Unternehmen, dessen Ursprung in der Genehmigung zur Nutzung einer „vom Wind zu treibende Schneide- und Sägemühle“ vor genau 260 Jahren und im Kauf eines Grundstückes im Jahre 1753 liegt, zeitgemäß weiter. Und so ist es auch ganz normal, dass sich Holz Junge mit zirka 55 Mitarbeitern mit energetischer Sanierung befasst und für die erbrachten Leistungen einen Innovationspreis verliehen bekam.
Siehe auch Rubrik „Das besondere Porträt“: Michel Junge.