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STADTRADELN-Interview mit Holger Cordes vom ADFC

Zwischen dem 17. Mai und 6. Juni 2021 nimmt Elmshorn wieder am STADTRADELN teil. Ziel der Aktion ist es, das Verkehrsmittel Fahrrad in den Mittelpunkt zu rücken. Zu den langjährigen Unterstützern des STADTRADELNS in Elmshorn zählt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Dessen Vertreter Holger Cordes erklärt im Interview, warum er der Stadt die Note 2 bis 3 erteilt.

Herr Cordes, wofür braucht es den ADFC in Elmshorn und der Region?

Holger Cordes: Wir stehen für die Interessen von Radfahrenden ein. Die sind ja sehr verschieden: Da gibt’s den versierten Radfahrenden, dann den Radfahrenden, der ein größeres Sicherheitsbedürfnis hat, und es gibt eher unpraktische und eher praktische Radverkehrsführungen für die Radfahrenden.

Haben Sie dafür Beispiele?

Was zum Beispiel für die Radfahrenden mit einem größeren Sicherheitsbedürfnis eher nachteilig ist, ist die Strecke aus der Fußgängerzone kommend in den Wedenkamp Richtung Reichenstraße. Da gibt es auf dem Wedenkamp den Schutzstreifen, der aber dann so etwa auf der Höhe von Niebuhr einfach endet. Das ist eher unpraktisch.

Und was fällt Ihnen Positives ein?

Etwas Positives ist zum Beispiel der sehr breite Schutzstreifen im Steindamm. Da hätte man schon fast einen Radfahrstreifen drauf platzieren können.

Welche Note würden Sie Elmshorn aus der persönlichen und beruflichen Radfahr-Erfahrung geben?

Für mich ist sehr vorteilhaft, dass es sehr wenige Benutzungspflichten gibt. Ich fühle mich auf der Fahrbahn sehr wohl und komme dort auch sehr gut voran. Meine persönliche Bewertung wäre daher so eine 2 bis 3.

Haben Sie als ADFC eine Agenda für Elmshorn oder handelt es sich um ein laufendes Geschäft?

Laufendes Geschäft. Was im Moment natürlich sehr nachteilig ist, ist, dass die AG Radverkehr pausiert und es keinen fachlichen Radverkehrsplaner bei der Stadt gibt. Das gereicht uns vielleicht in einigen Bereichen, in denen die Planung und Baulichkeit weiterlaufen, zum Nachteil, weil wir nicht beteiligt werden. Zum Beispiel bei der Querung Hamburger Straße, Langelohe zum Adenauerdamm. Das ist für die Öffentlichkeit wenig nachvollziehbar gewesen, warum Bäume für Fahrradstellplätze weichen mussten. Für die vorgesehene Führung der Radfahrenden wäre bei der Fahrbahnbreite zum Beispiel auch ein Schutzstreifen möglich. Die aktuelle Planung sieht jedoch Radwege mit einer Bedarfsampel vor. Das ist eine ärgerliche Radverkehrsbremse und Behinderung.

Wie hat sich der Radverkehrsanteil entwickelt in den letzten Jahren?

Ich würde nicht unbedingt bestätigen, dass es wesentlich mehr Radfahrende geworden sind – einfach, weil in Elmshorn immer schon viel Rad gefahren worden ist.

Und warum wird so viel Rad gefahren?

Elmshorn hat den Vorteil, dass es relativ kompakt ist. Und die Möglichkeiten, sich mit dem Fahrrad durch Elmshorn zu bewegen sind sehr vielfältig. Wenn man sich was traut, kann man sehr zügig vorankommen. Ich meine jetzt nicht so sehr, dass man sich wie Rambo bewegt - aber durch die fehlenden Radwegbenutzungspflichten kann man sich fast schon fließend in den Autoverkehr einreihen. Und der ist häufig auch nicht schneller als Tempo 30 unterwegs. Jemanden, der mich in der Köllner Chaussee mit dem Auto überholt, den habe ich häufig in der Bahnhofsregion, wo sich die Ampeln häufen, wieder vor mir.

Hat das STADTRADELN auch dazu beigetragen, das Fahrradfahren populärer zu machen?

Das STADTRADELN hat vor allem in den ersten Jahren hervorgehoben, wie viel Fahrrad doch an den Schulen gefahren wird. Das hat das so ein bisschen in den Blickpunkt gerückt, was für eine starke Gruppe an den Schulen unterwegs ist. Da sind bei Weitem nicht nur Mama-Taxis unterwegs.

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