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"Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders"

Im Stadtradeln-Interview spricht Elmshorns Stadtwerke-Chef über die Unterstützung des Stadtradelns, über grüne Mobilität und die Rolle des Fahrrads. Außerdem weist er auf die Bedeutung der Aktion hin und hat für die Teilnehmer auch den ein oder anderen Routen-Tipp parat.

Schon seit etlichen Jahren unterstützen die Stadtwerke Elmshorn das STADTRADELN, indem sie einen Schulpreis stiften – warum eigentlich?

Die Stadt beziehungsweise Region um Elmshorn ist unsere Heimat und der sind wir sehr verbunden. Von daher sind wir von Beginn an immer gerne als Unterstützer von Schulprojekten oder wie im vergangenen Jahr mit Geldzuwendungen dabei.

Hat sich eine Schule besonders im Wettbewerb hervorgetan?

Wenn ich mich recht entsinne, war es oft die EBS. Das hat auch damit zu tun, welche Umlandgemeinden auf welche Schulen zugreifen können. Viele Schüler*innen sind per se schon viel mit dem Fahrrad unterwegs und zeigen insgesamt eine tolle Leistung. Ich finde es immer wieder spannend, dass sich Jugendliche und Kinder regelmäßig diesem Wettbewerb stellen und sich mit ganz viel Leidenschaft messen.
Diese Leidenschaft wollen wir weiterentwickeln. Ich bin deswegen bei der Preisverleihung gern persönlich zugegen. Für die Schüler*innen ist es vielleicht etwas Besonderes - ohne mich jetzt in den Kegel des Lichtes zu stellen - wenn da jemand dabei ist, der eine andere Art Verantwortung trägt. Das ist für mich auch Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung. Wir sind da nicht auf Abstand bedacht, sondern wollen mittendrin sein. Das sind wir ja als Stadtwerke sowieso.

Mittendrin sind Sie auch beim Thema grüne Mobilität …

Wir haben auch schon in den vergangenen Jahren alternative Brennstoffe in unserem Fuhrpark zum Einsatz gebracht, beispielsweise Erdgas. Und im Zuge der Elektromobilität sind wir jetzt verstärkt auf E-Fahrzeuge umgestiegen. Unsere Pkw sind fast ausnahmslos E-Autos, es gibt auch noch Gasfahrzeuge und herkömmliche Verbrenner. Ansonsten haben wir die öffentliche Ladeinfrastruktur in unserem Netzgebiet sehr umfangreich ausgebaut. Und wir bieten unseren Energiekunden an, diese entsprechend zu nutzen, aktuell kostenfrei.

Und welche Rolle spielt das Fahrrad?

Wir haben in unserem Unternehmen an verschiedenen Stellen die Möglichkeit für unsere Mitarbeiter*innen geschaffen, dass sie das Fahrrad auch für den Weg zur Arbeit nutzen und sicher und vor allem auch wettergeschützt unterstellen können. Darüber hinaus bieten wir unseren Mitarbeiter*innen Unterstützung beim Jobrad bzw. Business Bike an – wie auch immer man es nennen will. Wir tragen dabei einen Teil der anfallenden Leasingkosten. Das machen wir natürlich nicht nur aus gutem Willen, sondern wir verbinden mit dem Fahrradfahren einerseits eine aktive Mobilität, andererseits das Thema Gesundheit, und es ist zugleich ein wesentlicher Beitrag zum lokalen Klimaschutz. Die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. Wir flankieren diese Aktivitäten mit einem umfangreichen Gesundheitsmanagement.

Sie sagten, anfangs haben die Stadtwerke auch auf Erdgas gesetzt und jetzt auf E-Autos. Haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren stark verändert?

Wir merken, dass die Zahl der E-Fahrzeuge stetig zunimmt. Zwar langsam, aber gerade im Kreis Pinneberg haben wir ausgehend von einem niedrigen Basiswert jedes Jahr eine Verdopplung.
Man darf nicht vergessen: Wir reden von des Deutschen liebstes Kind. Und wir ticken ja oft so, dass das Fahrzeug immer eine hohe Reichweite haben muss, also 700, 800 Kilometer. Dabei verkennen wir, dass unsere alltäglichen Strecken deutlich geringer ausfallen und dadurch alternative Mobilität deutlich an Relevanz gewinnt. Ich glaube, das Thema wird Fahrt aufnehmen, u.a. wenn auch Unternehmen für sich erkennen, dass es Stellplätze mit Lademöglichkeiten anbieten sollte. Dann kann der Mitarbeitende Zuhause und bei der Arbeit die Standzeit des Fahrzeugs nutzen, um den Akku zu laden. Die öffentliche Ladeinfrastruktur wird tatsächlich ganz oft nur für den Notfall genutzt, falls der Akku mal alle sein sollte. Wartezeit ist eben nicht nur Onlinezeit, mittlerweile auch Ladezeit.

Wie wichtig sind Aktionen wie das STADTRADELN für die Verkehrs- und Energiewende und sind sie in den Köpfen der Menschen schon verankert?

Ich habe viel Werbung für das STADTRADELN gemacht und dabei ganz viele Fragen geerntet nach dem Motto: „Was ist das eigentlich?“ So in den Köpfen ist das noch nicht, außer bei den Schüler*innen und den ohnehin fahrradaffinen Teilnehmer*innen. Das finde ich schade, dass es nur punktuell wirkt. Das muss sich ändern, aber das hängt mit der Ausrichtung der Verkehrspolitik an sich zusammen.
Wenn ich in Elmshorn Fahrrad fahre, dann sind verschiedene Rahmenbedingungen notwendig, um ein angenehmes Fahren zu gestalten. Zum einen braucht es geeignete Radwege und zum anderen ist nicht nur in Elmshorn unser Straßenverkehr immer noch auf das Auto ausgerichtet. Und wenn das Fahrrad forciert werden soll, dann muss anderer individueller Straßenverkehr zurückgedrängt werden. Diese Entscheidung muss dann aber auch getroffen werden. Für einen nachhaltigen Effekt reicht das dreiwöchige Projekt STADTRADELN leider nicht aus.

Aber vielleicht, um ein paar mehr Menschen für das Fahrrad zu begeistern…

Ja, das schon. Aber mein Eindruck ist oftmals, dass viele Teilnehmer zwei, drei Wochen für diesen Wettbewerb auf das Fahrrad umsteigen und danach fallen sie – und das ist menschlich – zurück in alte Verhaltensweisen. Ich mache das ja auch.
Für die lokale Verkehrswende ist das STADTRADELN ein richtiger Impuls, aber der allein reicht nicht. Für die Energiewende gilt das genauso. Wir als Stadtwerke Elmshorn versorgen unsere Privatkunden schon seit 2011 und jetzt auch unsere Gewerbekunden ausschließlich mit Ökostrom, ohne Aufpreis. Das STADTRADELN ist sicherlich ein Anlass, damit sich die Leute auch mit diesem Thema auseinandersetzen. Wobei es beim STADTRADELN auch darum geht, zu erfahren: Muss ich tatsächlich das Auto nutzen oder kann ich es auch anders organisieren? Wir müssen es im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“.
Die Region um Elmshorn ist sehr gut geeignet fürs Fahrradfahren, weil die Wege von den einzelnen Ortskernen der Umlandgemeinden zur Stadtmitte überschaubar sind.

Wird es auch 2020 wieder ein Stadtwerke-Team geben und fahren Sie selbst darin mit?

Na klar sind wir dabei, gar keine Frage. Ich bin auch dabei.

Klassisch oder auf einem E-Bike?

Klassisch per Muskelkraft natürlich. Ich bin sonst auch im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv, was das anbelangt. Gerade am letzten Wochenende war ich mit dem Fahrrad in Hamburg.
Dieses Jahr ist ja alles ein bisschen anders. Der Schulpreis ist auch zurückgezogen, weil es in Corona-Zeiten den Wettbewerbscharakter nicht so gibt.

Aber haben Sie sich als Team eine Zielmarke gesetzt?

Wir nehmen uns vor, dass wir den Durchschnitt pro Mitfahrer*in vom vergangenen Jahr mindestens wieder erreichen. Vielleicht schaffen wir es ja auch, noch eine Schippe draufzulegen. Den ersten Platz werden wir nicht schaffen, da gibt es andere, die deutlich besser aufgestellt sind. Vielleicht spielen wir im vorderen Drittel mit.

Haben Sie noch einen Strecken- beziehungsweise Ausflugstipp für die Elmshorner parat?

In Zeiten wie diesen, wo ja vieles beschränkt, aber Fahrradfahren erlaubt ist, da kann man durchaus mal den Weg nach Kollmar antreten. Ich nutze ab und zu aus sportlichen Gründen auch mal die Strecke Richtung Wedel oder Hamburg und zurück. Und ansonsten gilt: Einfach so eine Runde Fahrradfahren – durchs Moor oder Richtung Barmstedt. Da gibt es doch viele Möglichkeiten.