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"Ein Leben ohne Rad ist möglich, aber nicht erstrebenswert"

Im STADTRADELN-Interview "beichtet" Maren Ramcke von der Fahrradgruppe Rückenwind, dass sie früher eigentlich gar nicht mit dem Fahrrad unterwegs war. Warum sich das geändert hat? Die Liebe war's. Und nun kann sie sich ein Leben ohne Fahrradfahren eigentlich gar nicht mehr richtig vorstellen. Genau wie die anderen RÜWI-Mitglieder, die sich kurz vor dem Finale auf Platz 2 der Elmshorner STADTRADELNDEN wiederfinden.

Mal ehrlich: Wie sehr nervt der ständige Gegenwind in der norddeutschen Tiefebene?

Man gewöhnt sich daran. Aber es stimmt: Egal zu welcher Tageszeit und ob man morgens Gegenwind hat und dann denkt, abends müsste es flotter gehen – der Wind kommt wieder von vorne. Aber uns Norddeutsche schreckt das nicht.

Und der Regen?

Es kommt darauf an. Ich habe gemerkt, dass man im Laufe der Zeit gelassener wird. Am Anfang habe ich mir noch bei jedem Tropfen die Regenhose übergezogen – das mache ich jetzt nicht mehr. Aber Dauerregen zwei Wochen lang, das zehrt dann doch schon sehr an den Nerven.

Der Februar war also hart…

Ja, da denkt man ja auch, es hört nie wieder auf. Aber umso schöner, wenn dann wieder die Sonne scheint – wie jetzt beim Stadtradeln, wo wir auch wirklich schöne Tage haben.

Können Sie das Radfahren gerade in gewohnter Weise ausüben oder gibt es Einschränkungen durch Corona?

Durch Corona nicht. Eher durch das mobile Arbeiten, weil ich im Prinzip gar nicht mehr aus dem Haus muss. Wenn man von Zuhause aus arbeitet, hat man den Weg zur Arbeit nicht. Ich versuche auch, Extratouren zu vermeiden und lieber einen Wocheneinkauf statt vieler kleiner Gänge zu machen. Dadurch leidet das Fahrradfahren doch sehr, muss ich sagen.

Nicht gut fürs STADTRADELN…

Das stimmt. Die Vorsicht wegen Corona, die Gemeinschaftstouren, die dieses Jahr entfallen und der Punkt, dass der Wettbewerbsgedanke dieses Jahr in den Hintergrund rückt: Ich befürchte, dass wir nicht mehr ganz so viele Kilometer auf die Uhr bekommen wie sonst. Viele werden sich gar nicht erst anmelden. Das spüre ich auch in unserem Team. Wir hatten sonst zudem viele Externe, die an unseren Rückenwind-Touren teilgenommen haben. Diese haben sich nicht extra beim STADTRADELN angemeldet, sondern wir haben für sie die mit unseren Touren geradelten Kilometer bei unserem Team mitgemeldet. Das findet dieses Jahr gar nicht mehr statt. Und wenn man 15 Leute bei einer 60-Kilometer-Tour hat, dann bringt das ordentlich Kilometer auf die Uhr.

Wie rege war denn die Teilnahme in den vergangenen Jahren?

Es sind immer mehr Teilnehmer geworden – sowohl von unseren Rückenwind-Mitgliedern als auch an externen Mitfahrern. Wobei ich das Gefühl habe, dass das eher an unserer Maschinerie lag – wir haben selbst viel „Pressearbeit“ betrieben. Wir haben unsere Mitglieder regelmäßig informiert, sind mit unseren Touren auf unserer Homepage und der Homepage des Stadtradelns und haben Mundpropaganda betrieben. Aber es ist erstaunlich: Spricht man Personen im Bekanntenkreis zum Thema STADTRADELN an, heißt es meistens: „Kenne ich nicht“. Unsere RÜWIS fahren immer Fahrrad. Egal, ob gerade STADTRADELN ist oder nicht. Aber ich kenne eben auch viele Leute, die viel Fahrrad fahren und trotzdem das STADTRADELN nicht kennen. Das wäre dann die Gruppe, die wir an das STADTRADELN heranführen müssen und dafür würde ich mir ein wenig mehr Öffentlichkeitsarbeit wünschen.

Wie viele Mitglieder hat die Fahrradgruppe Rückenwind derzeit?

Wir sind um die 180 Mitglieder. Wir haben jedoch einige Mitradler, die regelmäßig bei den Touren-RÜWIS am Mittwoch und am Donnerstag mitfahren oder bei den Renn-RÜWIS die Abendtouren mitradeln, ohne Mitglied zu sein. Natürlich hoffen wir, dass sie diesen Schritt irgendwann unternehmen – aber um bei uns mitzumachen, ist eine Mitgliedschaft nicht zwingend.

Handelt es sich nur um ein gemeinsames Hobby oder setzen Sie sich auch politisch ein?

Es ist ein reines Hobby. Hier geht es um das Fahrradfahren in jeder Fasson. Um die Geselligkeit, um die Freude an der Bewegung und darum, in Gemeinschaft neue Orte, Strecken und nicht zuletzt auch kulinarische Highlights zu erfahren. Leider musste die allseits beliebte Erdbeertorten-Tour in diesem Jahr ausfallen.

Im Grunde gibt es für jedes Alter und jeden Fitnessstand die passenden Angebote, oder?

Ja, das stimmt. Es gibt die Touren-RÜWIS – die sich nach schnellen Radlern am Mittwoch und gemütlichen Fahrern am Donnerstag aufgeteilt. Dann gibt es die Renn-RÜWIS, die immer mittwochs ihre Runde starten, die RÜWI-Kids, die jedes Jahre mehrere Ausfahren unternehmen und für Leute, die Oldtimer-Räderhaben, gibt es die Klassik-RÜWIS. Es wird auch immer mal darüber nachgedacht, eine neue Sparte, wie zum Beispiel Mountainbikes; aufzunehmen, um auch junge Leute abzuholen.

Können Sie sich selbst ein Leben ohne Fahrrad überhaupt vorstellen?

Früher bin ich lange Zeit wenig beziehungsweise gar kein Fahrrad gefahren, jetzt ist es genau das Gegenteil. Ich überlege gar nicht, das Auto zu nehmen, sondern steige aufs Rad. Insofern: Nein, ein Leben ohne Rad ist möglich, aber nicht erstrebenswert.

Wann kam denn der Umstieg aufs Fahrrad?

Ich bin der Liebe wegen nach Elmshorn gezogen und habe das Fahrradfahren durch meinen Partner, der schon lange Mitglied bei Rückenwind ist, neu entdeckt. Zu Anfang habe ich mich ein bisschen gewehrt, aber irgendwann erkennt man dann den Wert des Radfahrens als Alternative zum Auto – besonders für kurze Strecken und vor allem im Stadtverkehr. Und jetzt kann ich es mir tatsächlich gar nicht mehr ohne vorstellen.

Mit dieser Erfahrung: Wie würden Sie die Situation für Radfahrende in Elmshorn und Umgebung bewerten?

Gemischt. Es gibt richtige Buckelpisten. Wenn man den Inhalt im Korb nicht festgeschnallt hat, dann fällt er raus. Das ist unschön und davon gibt es in Elmshorn einige Strecken.

Fallen Ihnen ein paar konkrete Stellen ein?

Die Ansgarstraße ist super, die fährt sich wie Butter oder der neue Abschnitt der Hamburger Straße – herrlich. Aber die Berliner Straße… Oder auch die kleinen Straßen wie die Kirchenstraße, die Rudolf-Diesel-Straße – furchtbar. Das sind wahre Buckelpisten. Besonders unfreundlich für Fahrradfahrer ist der Weg von Elmshorn Papenhöhe Richtung Horst-Hahnenkamp, wo sogar Warnschilder wegen Radwegschäden aufgestellt wurden. So bringt man kaum mehr Personen auf das Rad. Und für Lastenräder sind die Elmshorner Radwege überhaupt nicht ausgelegt.

Nochmal zum STADTRADELN. Sie sagten, bei den Rüwi-Touren kamen auch gerne Leute ohne Anmeldung dazu. Haben Sie dadurch einen Mitgliederschub erhalten?

Wir haben unsere Mitgliederzahl dadurch nicht in unermessliche Höhen geschraubt. Aber für die Mittwochs- und Donnerstagstouren ist schon der ein oder andere hängen geblieben. Und das ist ein schönes Ergebnis.

Gibt es auch Treffen außerhalb der Radtouren?

Bei den Renn-RÜWIS gibt es zum Beispiel einen regelmäßigen Stammtisch, Anradeln und Abradeln wird gemeinsam „gefeiert“ und die Donnerstagsradler treffen sich hinterher immer nochmal zum Essen, Trinken und Klönen. Aber durch das gemeinsame Radfahren wurden auch viele Freundschaften geschlossen, so dass man sich auch gerne im privaten Rahmen trifft.

In welchen Rüwi-Gruppen sind Sie selbst aktiv?

Ich bin bei den Renn-RÜWIS, aber seit einiger Zeit eher als „stilles Mitglied“. Aus beruflichen Gründen schaffe ich es nicht mehr, an den regelmäßigen Trainingsrunden am Mittwoch teilzunehmen. Aber ich habe auch gerne an den Ausfahrten der Touren-RÜWIS teilgenommen. Gerade deswegen bin ich so traurig, dass die STADTRADELN-Touren in diesem Jahr nicht stattfinden können. Da bin ich immer gerne mitgefahren.

Sind auch außerhalb des STADTRADELNS alle Rüwi-Aktivitäten abgesagt?

Ja. Leider war dieser Schritt notwendig. Aber für die Sicherheit unserer Mitglieder gibt es leider keine Alternativen. Außerdem müssen die behördlichen Vorgaben eingehalten werden. Wir hoffen einfach weiter auf Lockerungen, die gemeinsame Ausfahrten in altbekannter Form bald wieder möglich machen.

Was war Ihr persönlicher Streckenrekord, als sie noch so richtig drin waren beim STADTRADELN?

Ich fahre zwar oft, aber immer eher kurze Strecken. Aber beim STADTRADELN bin ich einmal eine Tour über ca. 62 Kilometer mitgefahren – von Husum nach Rendsburg. Das war zwar eine Herausforderung, aber durch die großartige Gruppe und die schöne Strecke vergingen die Kilometer wie im Fluge. Und bei den Renn RÜWIS bin ich in einer Woche die Abendrunde mitgefahren und hatte dann zusätzlich an einer gesonderten Trainingseinheit teilgenommen – das waren fast 100 km in einer Woche. Für mich Kurzstreckenfahrerin eine ungewohnte Belastung, die mich aber immer noch mit Stolz erfüllt. Auch wenn ich mich noch gut an den Muskelkater im Anschluss erinnere.

Haben Sie noch einen Ausflugstipp für die STADTRADELNDEN?

Ein Mitglied von uns hatte eine tolle Tour geplant. Und zwar sollte sie vom Bahnhof Pinneberg über Halstenbek, Schenefeld, Blankenese, Wedel zur Hetlinger Schanze direkt an die Elbe führen, von dort Richtung Klövensteen zur Pony-Waldschänke, wo wir uns für die Rückfahrt bei einem gemeinsamen Mittagessen stärken wollten und dann zurück nach Pinneberg. Ich glaube, das hätte sich wirklich gelohnt.

Autor: Herr Hinz, Stadt Elmshorn 
Autor*in: Herr Hinz, Stadt Elmshorn