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Datum: 04.02.2026

»Gegen das Vergessen«: Gedenken und Mahnung für die Gegenwart

Erinnerung an schlimmste NS-Verbrechen und damit Mahnung für die Gegenwart – das war die Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ am 29. Januar 2026 im Forum der Erich Kästner Gemeinschaftsschule. Oberbürgermeister Erik Sachse: „Die Schülerinnen und Schüler unserer weiterführenden Schulen haben allen Opfern der Nationalsozialisten heute eine Stimme, ihrem ganz persönlichen Schicksal ein Gesicht gegeben – und senden damit zugleich eine Botschaft ins Heute: So etwas darf sich nie wiederholen!“

Sachse ergänzt: „Das Motto der Veranstaltung fordert uns täglich heraus: Jeder Name hat eine Geschichte. Damit verbinde ich Respekt vor der Vielfalt, Neugierde für alle Lebenswege und Verantwortung füreinander.“ Erinnerung ist kein stiller Akt, sondern die Verpflichtung zu einer wachsamen, mitfühlenden und mutigen Haltung, so der Oberbürgermeister. Sein Appell zusammen mit dem Ersten Stadtrat Dirk Moritz, der bei der Aufführung am Morgen vor Mitschüler*innen das Grußwort hielt: „Bleibt neugierig, bleibt menschlich, bleibt verbunden!“

Bewegende Geschichte

Was anderenfalls geschehen kann, zeigten Bismarckschüler*innen eindrucksvoll am Beispiel von Heinz Hirsch. Er wurde 1920 in eine jüdische Elmshorner Familie geboren und besuchte wie sie selbst die Bismarckschule. Wie andere jüdische Kinder wurde Heinz angefeindet, sein Freund mit einem Messer attackiert. 1938 – kurz nach dem Tod seiner Mutter – verschleppten die Nazis ihn und seinen Vater Albert ins KZ Sachsenhausen. Sie kamen wieder frei. Danach floh der damals 18-Jährige über abenteuerliche Wege und völlig mittellos nach Peru, wo er sich eine ganz neue Existenz aufbauen musste. Sein Vater nahm sich 1941 kurz vor seiner Deportation nach Riga das Leben.

Im Glanz der Macht

Die andere Seite der Macht beleuchteten Schüler*innen der KGSE: Den Aufstieg der Familien Porsche und Piëch dank ihrer unmittelbaren Nähe zu Hitler und seinem Regime. Produktion für die Front und Zwangsarbeit machten die Firma und Familie Porsche/Piëch reich, nachdem sie zu Beginn der Nazi-Herrschaft noch kurz vor dem Bankrott gestanden hatte.

Unter unbekannten Umständen schaffte der Porsch/Piëch-Clan kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs das Vermögen nach Österreich und entzog es dem Zugriff der Besatzungsmächte. Damit legte die Familie Porsche/Piëch den Grundstein für den Wiederaufstieg nach dem Krieg – diesmal mit „weißer Weste“. Heute zählen die Porsches und Piëchs zu den reichsten Familien der Welt, halten noch immer die Mehrheit der Stammaktien der Volkswagen AG.

Beeindruckende Lebenswege

Weitere Beiträge beleuchteten den heldenhaften Einsatz des jüdisch-polnischen Kinderarztes und Pädagogen Janusz Korczak, der seine Waisenkinder bis in den Tod begleitete. Sie beleuchteten die lebensgefährliche und lebensrettende Tätigkeit des Passfälschers Cioma Schönhaus, die zunehmenden Repressalien gegen jüdische Einwohner*innen und ihre staatlich legitimierte Ausgrenzung, Enteignung, Verfolgung und schließlich Ermordung. Und sie griffen die Gedanken und demokratischen Appelle der Holocaust-Überlebenden Peggy Parnass und Margot Friedländer sowie des Hamburger Herzchirurgen Dr. Umes Arunagirinathan, der als Kind aus Sri Lanka nach Deutschland fliehen musste, auf.

Musikalische Emotionen

Für emotionale musikalische Beiträge sorgten in diesem Jahr die Elsa-Brändström-Schule und die Bismarckschule am Morgen vor Mitschüler*innen und am Abend vor öffentlichem Publikum.

Dank an alle Beteiligten

„Mein Dankeschön gilt allen, die heute auf der Bühne gestanden haben: Jeder szenische, jeder musikalische Beitrag, jede Darbietung haben mich zutiefst bewegt“, sagte Oberbürgermeister Sachse stellvertretend für das ganze Publikum. Er lobte ausdrücklich auch das Schüler*innen-Moderationsteam, die künstlerische Leiterin Anna Haentjens und Jens Bernhard und sein Team von der KGSE Studio AG.