Tarascon - Die Freundschaft wird besiegelt

Partnerschaftsurkunde am 5. Mai 1987 unterzeichnet

Elmshorn.

Es hat lange gedauert. Und Elmshorn startete mehrere Versuche, mit anderen Städten eine Partnerschaft einzugehen. Junge Menschen, Schüler, waren es dann, deren lebendiges Beispiel den politisch Verantwortlichen wieder Mut machte. Im fernen Süden Frankreichs fand sich eine Stadt, die ihre Hände in Richtung Norden ausstreckte. Gestern wurde in herzlicher Atmosphäre die Freundschaftsurkunde unterzeichnet. Nun gilt es, wie Politiker zu sagen pflegen, das Vertragswerk mit Leben zu erfüllen. Möge die heilige Martha, die seit vielen Jahrhunderten als Schutzpatronin Tarascons verehrt wird, auch die Elmshorner in ihr Herz schließen.“ Dies schrieb am 6. Mai 1987 der Redaktionsleiter der Elmshorner Nachrichten, Dierk Wulf, in einem Kommentar zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden im Elmshorner Rathaus.

Die Partnerschaftsurkunden unterzeichneten Vertreter aus Tarascon und Elmshorn am 5. mai 1987 im Bürgersaal der Bismarckschule. Er war festlich geschmückt, Schüler und Schülerinnen sangen und musizierten und natürlich wurden Festreden gehalten. Die Bürgermeisterin von Tarascon, Madame Thérèse Alliaud, sagte unter anderem: "Wir haben gemeinsam ein denkwürdiges Erbe aus Streitigkeiten und Leidenschaften und einen gemeinsamen kulturellen Schatz, der den Okzident hervorgebracht hat.“ Sie erinnerte auch an die furchtbaren Kriege und deren Folgen. Sie erinnerte an die beiden großen Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, "die gemeinsam die ersten Stein für den europäischen Bau gesetzt“ hätten. Und mit Blick in die Zukunft sagte Madame Alliaud: "Die Zeit wird kommen, wo wir den gleichen Pass haben werden und dieselbe Fahne, die wir zu den Klängen der Neunten Sinfonie grüßen werden. Die Zeit wird kommen, wo Studenten von einer Universität zur anderen ziehen, wo die Diplome des einen Landes im anderen anerkannt sein werden. Die Zeit wird kommen, wo es ein europäisches Fernsehprogramm und ein europäisches Netzwerk beruflicher Bildung geben wird. Die Zeit wird kommen, wo die 320 Millionen Europäer sich zum größten Kreativzentrum vereinigen werden.“

Elmshorns damaliger Bürgermeister Dr. Dietmar Lutz erinnerte in seiner Rede an den englischen Philosophen Bertrand Russell, der darauf verwiesen habe, dass die Einigung der Welt nur möglich sei und der Weltfrieden nur erhalten bleiben könne, wenn es den Staaten gelänge, ihre national-staatlichen Interessen zu Gunsten einer gemeinsamen Allianz zurückzustellen. Und weiter sagte Lutz: "Auf Europa bezogen bedeutet dies, es darf keinen Rückfall in nationalstaatliches Denken geben. Wir müssen in den kommenden Jahrzehnten zu einer noch stärkeren europäischen Identität finden. Die Partnerschaftsbewegung, die nach zwei verhängnisvollen Weltkriegen zur größten und erfolgreichsten Friedensbewegung in Europa wurde, bietet uns die einzigartige Chance, über alle Grenzen hinweg eine europäische Identität des Europas der Bürger weiter auszubauen und zu kräftigen.“

Autor: Ulrich Lhotzky-Knebusch, 07.09.2012