Wenn der weiße Flieder blüht, dann tanzt ganz Raisio
Es war im Jahre 1998, als ein Brief aus Finnland ins Elmshorner Rathaus „flatterte“. In dem Schreiben brachten Vertreter einer finnischen Kleinstadt den Wunsch zum Ausdruck, mit Elmshorn eine Partnerschaft einzugehen. Die Stadt heißt Raisio. Es dauerte etwa zwei Jahre, bis die Partnerschaft durch Unterschriften der Bürgermeisterin Dr. Brigitte Fronzek für Elmshorn und des stellvertretenden Stadtdirektors Kari Karjalainen für Raisio besiegelt wurde.
Die finnische Kleinstadt liegt etwa 170 Kilometer nordwestlich von Helsinki an der Südwestküste von Finnland. Rund 22.000 Menschen leben in Raisio, das erst 1974 die Stadtrechte erhielt. Zusammen mit Turku und Naantali bildet Raisio das größte Handelszentrum in Varsinais-Finnland. Der Hafen, der Flughafen und die Bahn sind für Unternehmer gute Gründe, sich in diesem Gebiet, das bereits vor mehr als 4.500 Jahren besiedelt war, niederzulassen.
Das kleine Städtchen mit sehr großen Straßen hat etwa 30 Vereine, die wesentlich zur Freizeitgestaltung beitragen. Unter anderem verfügt die neue Elmshorner Partnerstadt über ein Jugendorchester und einen Kirchenchor. Die Schulen haben verschiedene Chöre, und es gibt getrennte Chöre für Männer, Frauen und Kinder.
Die unterschiedlichsten Organisationen bieten zahlreiche Sportarten an, zum Beispiel Gaeshdio, Taekwondo, Bushidoka, Golf, Reiten, Volleyball, Eishockey, Federball, Basketball, Rinkbandy, Squash und auch Tennis.
Die größten Arbeitgeber sind die Stadt mit 1.233 Arbeitsplätzen (1999) und Raision Yhtymä, ein Lebensmittel- und Chemiebetrieb mit gut 1.000 Arbeitnehmern. Die insgesamt etwa 7.400 Arbeitsplätze in Raisio verteilen sich im Wesentlichen zu knapp 40 Prozent auf den Dienstleistungssektor, auf die Industrie mit 30 Prozent und auf den Handel mit 15 Prozent.
Die jüngste Partnerstadt Elmshorns ist bekannt für vielfältige Veranstaltungen. Im Mai, wenn der Flieder blüht, findet der große Tango-Markt statt, neben Seinäjoki ist Raisio die zweitgrößte Tangostadt Finnlands. Und im August gibt es die Raisio-Tage. Die Hauptattraktion dieses Ereignisses ist der so genannte „Killi-Markt“, benannt nach dem Riesen, der in grauer Vorzeit mit Hilfe eines zweiten Riesen die Stadtkirche erbaut haben soll. Diese Feldsteinkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert.
Das Mittelalter wird den interessierten Besuchern des städtischen Museums in einer Nachbildung präsentiert. Zu besichtigen sind auch Fundstücke aus der Steinzeit.
Die etwa 1.100 Kilometer Luftlinie von Elmshorn entfernt liegende Stadt ist bei den Finnen nicht nur wegen der guten Arbeitsplätze und der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten, sondern auch wegen ihrer großzügigen Grünanlagen beliebt. Außerdem haben es die Planer geschafft, Wohn- und Gewerbegebiete völlig zu trennen, so genannte Mischgebiete gibt es kaum. In den Wohngebieten sind die Häuser überwiegend aus Holz gebaut. Sie stehen auf mit Kiefern und Birken bewachsenen Grundstücken.
Bevor es zur Partnerschaft mit Elmshorn kam, gab es in der Selbstverwaltung der Krückaustadt viel „Palaver“. Grundsätzlich waren die Stadtverordneten nicht gegen eine Partnerschaft, jedoch hatten sie Bedenken wegen der Entfernung und der Sprache. Vor der Entscheidung besuchte im September 1999 eine Delegation die finnische Stadt. Die dortige Verwaltungsspitze ist übrigens durch Prospektmaterial auf die Krückaustadt gestoßen.
Nach der Rückkehr und einer umfangreichen Berichterstattung der Delegation folgte eine Umfrage an Elmshorner Schulen und bei Vereinen. Die Resonanz war durchaus positiv, so dass das Kollegium im September 2000 die Partnerschaft mit Raisio beschloss. Im Oktober desselben Jahres fand schließlich die Unterzeichnung der Urkunden statt. An der offiziellen Reise beteiligten sich neben dem stellvertretenden Bürgervorsteher Kurt Geisler und Bürgermeisterin Dr. Brigitte Fronzek auch die Stadtverordneten Cordula Ziehm, Hellmut Hagemann und Andreas Srogosz-Osnabrügge sowie Petra Behncke, Chefsekretärin im Elmshorner Rathaus.
Raisio pflegt neben der Partnerschaft zu Elmshorn auch noch mit Sigtuna (Schweden), Kingisepp (Russland) und Csongrád (Ungarn)