Netzwerker bringen Unternehmer nach Wittenberge an die Elbe

Seit 1. Juli 2008 ist Bürgermeister Dr. Oliver Hermann im Amt. Der Wittenberger Verwaltungschef ist 46 Jahre, stammt aus der Nähe von Magdeburg, aus Calbe, und studierte von 1986 bis 1992 Geschichte und Germanistik an der Hochschule Potsdam. 1997 promovierte er. Seit 1999 arbeitet Oliver Hermann für die Stadt Wittenberge, der Elmshorner Partnerstadt an der Elbe. Zunächst baute Hermann das Stadtmuseum auf, danach folgte die Leitung und der Aufbau des Kultur-, Sport- und Tourismus-Betriebes, 2007 wurde er schließlich stellvertretender Bürgermeister und 2008 Bürgermeister.

Heute hat Oliver Hermann nicht nur das Kulturleben der Stadt im Blick, sondern das „globale Wittenberge“. Er bekennt sich zum Industriestandort Wittenberge mit Lebensqualität. „Was wir heute an Unternehmertum und an Lebensqualität, zum Beispiel in Zusammenhang mit der Elbe bieten, war vor 20 Jahren undenkbar“, so Hermann. Abgewickelt wurden damals drei Großbetriebe mit mehr als 7000 Mitarbeitern. Lediglich das Bahnbetriebswerk Wittenberge mit rund 1000 Mitarbeitern blieb bestehen. Doch mehr als 200 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Heute arbeiten in dem Werk mit einigen ausgelagerten Abteilungen 1300 Arbeitnehmer. „Und die Tendenz von neuen Arbeitsplätzen im Technologiebereich ist steigend“, so Hermann.

Unternehmenspflege – erfolgreichste Werbung

In der strategischen Wirtschaftsförderung sieht der Bürgermeister das wichtigste Instrument, um neue Unternehmen nach Wittenberge zu holen. So gibt es zum Beispiel eine Wirtschaftsfördergesellschaft, an der Wittenberge beteiligt ist. Doch es ist bei der Wirtschaftsförderung längst nicht alles so kompliziert, wie viele glauben. „Die Unternehmenspflege vor Ort ist letztendlich die erfolgreichste Werbung für unseren Standort“, so Hermann. Die „Netzwerker“ bringen dann interessierte Unternehmerkollegen an die Elbe. Der zunehmende wirtschaftliche Erfolg und auch der Erfolg im Bereich Tourismus haben mit dazu beigetragen, dass die großen Abwanderungen der ersten 15 Jahre nach der politischen Wende und dem Ende der DDR vorbei sind. „Heute gibt es keine Abwanderungen, die zu einem Minus von einigen Bürgern führen. Heute haben wir jährlich rund 700 Ab- und Zuwanderer. Die Bilanz ist also ausgeglichen“, so Hermann. Wenn es einen weiteren Rückgang bei der Bevölkerung gibt, die bei gut 18.000 liegt, dann liegt dies an der höheren Sterbequote im Vergleich mit der Geburtsquote. Während jährlich rund 250 Menschen in Wittenberge sterben, erblicken zur selben Zeit nur etwa 120 Kinder das Licht der Welt.

Natürlich führt dieser Einwohnerrückgang auch weiterhin zu einem Rückbau von Häusern. „Das Programm ist noch nicht abgearbeitet. Wir werden weiter leerstehende und verfallene Häuser abreißen und die Flächen begrünen. Doch wir achten darauf, die historische Bausubstanz zu erhalten“, erzählt Hermann.

Wittenberge ist eine Filmstadt

Dies ist auch richtig so. Schließlich wird vor und in dieser historischen Bausubstanz oft genug gefilmt. Dabei drehen dort keine Hobbyfilmer, sondern Profis. Zu den bekannten Filmen, die erfolgreich in deutschen und internationalen Kinosälen zu sehen waren oder noch sind, gehören unter anderem: Beate Uhse – Das Recht auf Liebe; Jerichow; Suchkind 312; Yella; Neger, Neger, Schornsteinfeger; Toter Mann und Der Verleger. Doch mit den Dreharbeiten hat der Bürgermeister nichts zu tun. Das Genehmigungsverfahren nimmt seinen Behördengang ohne ihn. Dagegen kämpft er aber weiter intensiv für den Bau der Autobahn 14. Sie soll an Wittenberge vorbei führen, um so den Industriestandort zu stärken. „Ich gehe davon aus, dass die von Süden nach Norden und umgekehrt führende A 14 an Wittenberge vorbei führt. Dies stärkt den Industriestandort und auch den Tourismusstandort Wittenberge.“

Neue Uferpromenade geplant

Damit würde die Doppelstrategie des Bürgermeisters, einen Industriestandort mit Lebensqualität, der auf mehrere Faktoren setzt, aufgehen. Und um die Doppelstrategie zu verdeutlichen, berichtet Oliver Hermann von weiteren Plänen für Einwohner und Touristen: „Wir planen entlang der Hafenkante zwischen dem Kulturzentrum Alte Ölmühle und der Altstadt eine neue und gute Wegeverbindung. Sie wird wohl 2013 und 2014 für rund 1,6 Millionen Euro gebaut.“ Die Uferpromenade wird so konzipiert, dass sie gleichzeitig einen Schutz gegen Elbe-Hochwasser darstellt.

Autor: Ulrich Lhotzky-Knebusch, 02.04.2012