Stadt Elmshorn wertet Jahrhundert-Starkregenereignis aus
„Die gute Nachricht ist, dass aus rein physikalischer Sicht kaum noch ein intensiveres Ereignis im Bereich Elmshorn möglich ist“, sagt Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung. Laut Definition des Deutschen Wetterdienstes beginnt ein „Extremes Starkregenereignis“ ab 40 Millimeter pro Stunde – in Elmshorn fielen rund 50 Millimeter pro Stunde. Damit handelte es sich um ein so genanntes Hundertjähriges Ereignis für die Region.
2002 als Vergleich
Das bis dahin letzte Hundertjährige Niederschlagsereignis hatte die Stadt im Sommer 2002 mit 150 Millimetern in 24 Stunden beziehungsweise 75 Millimetern in drei Stunden getroffen. „Dieses Mal lag die Intensität höher“, so Beiersdorf mit Blick auf die Niederschlagsmenge pro Stunde. Das belegen auch an die Einsatzzahlen der Feuerwehr: 2002 waren es 38 Einsätze, am 13. Juli rund 130.
Lokal begrenztes Ereignis
Die Gewitterzelle bildete sich ab etwa 17.30 Uhr direkt über der Stadt. Es handelte sich um ein sehr lokal begrenztes Ereignis. Die schnell aufsteigende warme Luft der Gewitterzelle kühlte sich in der oberen Schicht sehr stark ab, so dass es zur Bildung von Hagel kam. Dieser traf in Elmshorn mit Schadwirkung im Nordwesten bis etwa Höhe Hasenbusch. Auch in den umliegenden Gemeinden richtete Hagel große Schäden an, unter anderem in Horst, Kiebitzreihe und Sparrieshoop.
Nicht beherrschbares Ereignis
„Ein Ereignis dieser Intensität gehört zu den nicht beherrschbaren Starkniederschlägen“, betont Beiersdorf. „Neben der Überlastung der Regen- und Mischwasserkanalisation kommt es dabei auch zu Ein- und Überstau im Schmutzwassernetz.“ Dies begründet sich durch den Eintrag aus Fehlanschlüssen, dem Zulauf aus Schachtabdeckungen im Straßenbereich von circa 3 bis 5 Liter pro Sekunde je Schacht und dem Auf- und Überstau im Bereich der Übergabestationen des Abwasserzweckverbands (AZV), da die Abnahmegrenzen überschritten wurden.
Tiefpunkte besonders betroffen
Besonders betroffen sind Tiefpunkte, zu denen auch die Unterführungen gehören. „Es handelt sich hier um das erste dokumentierte Ereignis, bei dem alle Unterführungen der Stadt Elmshorn überflutet wurden“, sagt der Experte. Durch das überlastete Kanalnetz sammelte sich in ihnen auch das Wasser aus umliegenden Straßen. Die Pumpwerke zur Entwässerung der Unterführungen konnten diesen Zulauf nicht bewältigen.
Vorbeugende Maßnahmen
Private Eigentümer*innen können sich mit vorbeugenden Maßnahmen gegen Schäden durch vergleichbare Ereignisse wappnen. Unter anderem hilft die laut DIN1986 vorgeschriebene Rückstausicherung beim Hausanschluss. Weiterhin können Kellerfenster mit Abdichtungen versehen werden. Die größten Probleme haben Grundstücke, welche an Tiefpunkten gelegen sind. „Hier können Eigentümer*innen wahrscheinlich nur zu Dammbalken-Lösungen greifen“, so der Experte.